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Kommentar Hess-Natur Mit dem Holzhammer

Kommentar von

Svenja Bergt

Nach der Übernahme durch einen Finanzinvestor mahnt das Ökomodeunternehmen Hess-Natur Kritiker ab. Damit wird es Kunden verlieren.

H ess-Natur geht mit dem juristischen Holzhammer gegen seine Kritiker vor. Das Ökomodeunternehmen sieht eine Webseite, die sich mit dem neuen Firmeninvestor nicht abfinden will, als geschäftsschädigend an. Die Kritiker wurden abgemahnt. Dabei schaden nicht sie dem Unternehmen. Vielmehr schadet sich Hess-Natur mit dem juristischen Vorgehen selbst.

Denn an Firmen, Verbände und Organisationen, die sich im weitesten Sinne als politisch korrekt verstehen, haben Verbraucher den Anspruch an eine unternehmerische Verantwortung. Das gilt auch im Umgang mit Kunden und Kritikern.

Nur so ist zu verstehen, warum das juristische Vorgehen eines Umweltverbandes wie des WWF gegen einen Buchautor so hohe Wellen schlägt. Und warum von einem Händler, der ökologische Kleidung produziert, mehr verlangt wird, als pestizidfreie Ware pünktlich und in einwandfreiem Zustand zu liefern. Wer die Welt verbessern will, sollte möglichst nicht mit Abmahnungen und damit verbundenen hohen Kosten drohen.

Svenja Bergt

ist Redakteurin im Ressort Ökologie & Wirtschaft der taz.

Natürlich, das juristische Vorgehen ist einfach. Es gibt eine Rechtslage, es gibt ein Gericht, es gibt eine Entscheidung. Doch es gibt noch einen anderen Weg: in den Dialog zu treten mit den Kritikern.

Ja, so ein Vorgehen kostet Zeit und den Willen, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen. Doch mit Sicherheit werden Kritiker und Kunden es honorieren. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass nicht: Der juristische Weg steht einem Unternehmen auch dann noch offen, wenn es erst einmal den Dialog versucht hat. Andersherum ist das nicht ganz so einfach. So, wie Hess-Natur vorgeht, kann es nur verlieren – zumindest bei seinen Kunden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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3 Kommentare

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  • A
    anke

    Verantwortung im Umgang mit Kunden und Kritikern? Dass ich nicht lache! Was passiert denn, wenn einer hier und heute "in den Dialog [tritt] mit [seinen] Kritikern"? Er bekommt zu spüren, dass solch ein Verhalten umgehend als Eingeständnis der Schwäche interpretiert wird. Anschließend rüstet dann die Gegenseite um so stärker auf... - äh: Verzeihung - nach. Nun kann der Endsieg ja nicht mehr all zu weit sein...

     

    Der kalte Krieg lässt grüßen. Immer noch. Er ist offenbar fester Bestandteil der Hirne, in der Fläche nicht viel anders als an der sogenannten Spitze der Gesellschaft. Was dem Einen der militärische, ist dem Anderen der juristische Erstschlag. Echt sch...ade, diese Sozialisation!

  • Z
    Zuechter

    Es ist leider hier wie so oft, nicht die, die Dreck produzieren, sind die Bösen, sondern die, die auf den Dreck hinweisen.

  • M
    Markus

    Hier die betreffende Website: http://wir-sind-die-konsumenten.de/