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Kommentar Gute Nachrichten 2009Linda lebt!

Kommentar von

Kerstin Decker

Als wären die Aussichten für 2009 nicht schon trübe genug, sollte auch noch die Kartoffelsorte Linda eingestampft werden. Dann wurde sie zum deutschen Kulturgut erhoben - ein krisenfester Titel.

Nun ist es amtlich: Linda, die Königin der deutschen Kartoffel, wird das Krisenjahr 2009 überstehen. Sie darf weiter gegessen, angebaut und vermehrt werden. Dabei war die Prognose für die deutsche Knolle bis zuletzt fast so düster wie alle übrigen Prognosen auch. Selbst die langjährigen Initiativen des Linda-Freundeskreises "Linda lebt!", "Rettet Linda!" oder "Linda darf nicht sterben!" hatten kaum etwas ändern können. Eigentlich war die Entscheidung über Lindas Zukunft schon 2008, im Internationalen Jahr der Kartoffel, erwartet worden, hatte sich aber immer wieder verzögert.

Lindas Sieg ist ein Sieg der Freiheit, der Demokratie und des Rechtsstaates. In einer Zeit, wo auf nichts mehr Verlass zu sein scheint und die Menschen sich zunehmend auf die elementaren Dinge des Lebens zurückbesinnen, hätte das endgültige Verbot seiner Lieblingskartoffel den Bürger schwer irritiert. Das musste zuletzt sogar das Bundessortenamt in Hannover einsehen. Wenn schon die Kartoffel unseres Vertrauens von heute auf morgen verschwinden kann wie jede x-beliebige Bank, muss etwas verkehrt sein an der Welt. Schließlich verkörpert die deutsche Kartoffel gewissermaßen den Gegenentwurf zum virtuellen Dasein.

Ursprünglich war Linda noch bis zum Jahr 2009 zugelassen. Aber die Firma Europlant besaß bis zum 31. 12. 2004 den Sortenschutz und zog die Zulassung kurz vor dem 31. 12. 2004 zurück. Sie wollte ihren Neuzüchtungen nicht länger mit der eigenen Kartoffel Konkurrenz machen. Womit Europlant nicht gerechnet hatte: Ihre Kartoffel gehörte ihnen gar nicht mehr. Denn sie ist längst zum öffentlichen Gut, ja zum deutschen Kulturgut geworden. Mehr noch: zum europäischen Kulturgut!

Der entscheidende Durchbruch gelang im Dezember letzten Jahres, als der Linda-Freundeskreis 17,5 Tonnen Solidaritäts-Kartoffeln aus Schottland erhalten hatte. Sie waren nicht zum Essen, sondern zur Fort-Pflanzung bestimmt. Auf den endlosen Kartoffeläckern der Lüneburger Heide werden derzeit aus diesen 17,5 t schottischen Hochland-Linda über 200 t Pflanzkartoffeln. Auch Großbritannien und Tschechien haben sich für die Knolle entschieden. Linda lebt!

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