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Kommentar Gaslieferung in die Ukraine Fata Morgana Fracking-Offensive

Manfred Kriener

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Manfred Kriener

Die Europäer sind auf russisches Gas angewiesen. Da hilft der hektische Ausbau von Fracking gar nichts. Aber auch Gazprom braucht Europa.

G azprom hat den berühmten Gashahn vorübergehend tatsächlich zugedreht. Nach dem Abschuss eines Militärflugzeugs mit 49 Toten und der massiven Verschärfung im Ukrainekonflikt war eine Einigung in dem seit Monaten schwelenden Gasstreit auch nicht zu erwarten. So ist ein weiteres Ultimatum verstrichen. Und Gazprom reagierte darauf mit der Unterbrechung der Gaslieferung.

Die russischen Gasmänner zeigen ihren gewaltigen Bizeps und signalisieren, dass Ultimaten keine beliebige Deadline sind. Natürlich werden die Verhandlungen trotzdem weitergehen, weil sowohl der wichtigste Erdgaslieferant als auch das wichtigste Transitland aufeinander angewiesen sind und jeweils genügend Quälpotenzial besitzen, um die andere Seite an den Tisch zu zwingen.

Die Eskalation im Gasstreit hat darüber hinaus direkte Folgen für die EU. Gerade haben die Europäer ihre Strategie zur Energiesicherheit beschlossen und Energiekommissar Oettinger fordert Notfallpläne und Stresstests für Europas Gasversorgung.

Es sind gespenstische Szenarien, wenn immer wieder hochgerechnet wird, wie viele Monate der Kontinent ohne russisches Gas durchhalten könnte. Dabei ist offensichtlich, dass die Europäer kurz-, mittel- und auch langfristig auf russisches Gas angewiesen sind. Ein Drittel des EU-Verbrauchs deckt Russland.

Das ist eine gewaltige Abhängigkeit, sie ist aber zugleich beruhigend, weil sie beide Seiten zur Vernunft zwingt. Der Glaube, mit dem hektischen Ausbau von Terminals für Flüssiggas oder – noch absurder – mit einer großen Fracking-Offensive sich von dieser Abhängigkeit zu befreien, ist eine Fata Morgana. Und: Die Gasreserven Europas sind vergleichsweise gering, die russischen sind gigantisch. Man muss die Abhängigkeit als Chance sehen. Gazprom braucht den europäischen Markt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Manfred Kriener

Manfred Kriener

Manfred Kriener, Jahrgang 1953, ist Umweltjournalist und Autor in Berlin. Themenschwerpunkte: Klima, Umwelt, Landwirtschaft sowie Essen & Trinken. Kriener war elf Jahre lang taz-Ökologieredakteur, danach Gründungschefredakteur des Slow-Food-Magazins und des Umweltmagazins zeozwei.. Zuletzt erschienen: "Leckerland ist abgebrannt - Ernährungslügen und der rasante Wandel der Esskultur". Das Buch schaffte es in die Spiegel-Bestsellerliste und wurde von Umweltministerin Svenja Schulze in der taz vorgestellt. Kriener arbeitet im Journalistenbüro www.textetage.com in Kreuzberg.
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1 Kommentar

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  • Brainer

    Russland (wie früher die Sowjetunion) liefert pünktlich Öl, Gas und andere Bodenschätze nach Europa. Dass die ukrainische Putschistenregierung, die angeblich das Land in die EU integrieren will, die EU seit Jahren beklaut, indem sie Gas abzweigt, ist bezeichnend. Das zeigt allemal, dass die EU keinen Einfluss auf die ukrainischen Putschisten hat. Die Ukraine wird durch die Kriegstreiber aus den USA dominiert. Frau Nuland hat sich ja klar und deutlich ausgedrückt: "Fuck the EU".