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Kommentar Elena Datenschutz mobilisiert

Christian Rath

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Christian Rath

Ganz kippen lässt sich Elena mit einer Verfassungsklage wohl nicht. Denkbar ist aber ein Teilerfolg.

W as für eine Mobilisierungskraft! Tausende Menschen haben sich binnen 24 Stunden einer Massenklage gegen Elena angeschlossen. Elena? - Nie gehört? Das ist die zentrale Vorratsspeicherung von Arbeitnehmerdaten. Sie läuft schon seit Jahresbeginn. Und das entsprechende Gesetz ist bereits fast ein Jahr in Kraft. Bisher hat das kaum jemand interessiert. Doch jetzt ruft der Datenschutzverein Foebud zu einer Massenverfassungsbeschwerde auf. Und Tausende folgten sofort. So etwas schafft derzeit keine andere soziale Bewegung.

Juristisch ist die Klage wohl weniger aussichtsreich als die Beschwerde gegen die Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten. Dort ging es um die besonders sensible Telekommunikations-Freiheit, und die Daten sollten für polizeiliche Maßnahmen benutzt werden. Bei Elena dagegen sollen die Daten bei der Gewährung von Sozialleistungen helfen. Einschüchterungseffekte lassen sich hier nicht ganz so leicht konstruieren. Zudem hat Karlsruhe Anfang März entschieden, dass Vorratsdatenspeicherungen nicht generell verboten sind. Ganz kippen lässt sich Elena mit einer Verfassungsklage wohl nicht.

Christan Rath ist rechtspolitischer Korrespondent der taz. Er lebt und arbeitet in Freiburg/Breisgau.

Denkbar ist aber ein Teilerfolg. Karlsruhe könnte etwa bei der Sicherung des gigantischen Datenpools eine regelmäßige Optimierung des Schutzes gegen Missbrauch fordern. Das könnte die Elena so teuer machen, dass auch politische Akzeptanz nicht mehr durchsetzbar ist.

Vor allem aber schafft die Massenklage Aufmerksamkeit für ein neues Datensammelprojekt, dessen Auswirkungen und Risiken bisher kaum öffentlich diskutiert wurden. Gelingt es, auch gegen Elena eine Massenbewegung auf die Beine zu stellen - obwohl es nicht originär um Polizei und Geheimdienste geht -, dann hat die neue Datenschutz-Bewegung die Hegemonie in Datenfragen errungen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Christian Rath

Christian Rath Rechtspolitischer Korrespondent

Geboren 1965, Studium in Berlin und Freiburg, promovierter Jurist, Mitglied der Justizpressekonferenz Karlsruhe seit 1996 (zZt Vorstandsmitglied), Veröffentlichung: „Der Schiedsrichterstaat. Die Macht des Bundesverfassungsgerichts“ (2013).
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3 Kommentare

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  • S
    solmar

    Noch eigenartiger erscheint mir, dass sich so gut wie keine Firma gegen diese "Datensammelaktion" gewehrt hat obwohl das ganze Meldeverfahren doch mit Mehrarbeit in den Personalabteilungen verbunden ist. Sind die inzwischen auch zu "obrigkeitshörig" oder verspricht man sich später Vorteile aus Sache?

  • W
    WaltaKa

    Eigenartigerweise halten die Gewerkschaften still. Bis auf ein winziges Aufmucken einige Tage vor Inkrafttreten. Wo bleibt der Aufschrei? Oder sind die Gewerkschaften bereits so im neoliberalen CDU/CSU/FDP/SPD/Grünen-Strom versunken?

  • F
    FoeBud

    ...der wichtigste Link fehlt aber :-)

     

    https://petition.foebud.org/ELENA !!