Kommentar CDU: Ein strahlender Verlierer
Rita Mohr-Lüllmann hat die politische Tugend, zum richtigen Zeitpunkt instinktiv das Richtige zu tun. Thomas Röwekamp nicht.
T homas Röwekamps mitnahme-suizidales Verhalten in der Bundestagskandidatenfrage hat etlichen altgedienten ChristdemokratInnen in Bremen das Herz bluten lassen. Und auch seine verbliebenen Getreuen merken allmählich: Er ist das falsche Pferd.
Rita Mohr-Lüllmann wirkt zwar nicht so, als habe sie einen strategisch ausgetüftelten Plan. Aber dafür hat sie die politische Tugend, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun – instinktiv. Beispiel: Mit dem Vorschlag die Mitglieder über die SpitzenkandidatIn entscheiden zu lassen, hat sie mal so eben locker den ihr mehrheitlich feindlich gesinnten Landesvorstand ausgehebelt. Dumm gelaufen für Michael Teiser und dumm auch für Thomas Röwekamp: Dem fiel als Gegenmaßnahme nur ein, ihre Sandburg anzupinkeln und ihr ein Bonbon zu versprechen, das die Fraktion ihm im Mai vielleicht schenkt.
Ein echter Schlaufuchs ist er halt auch nicht. Und viel kann Mohr-Lüllmann von Röwekamp folglich nicht lernen. Eines allerdings doch: Statt freudestrahlend mit der Presse nach der Landesvorstandssitzung ihren glorreichen Sieg zu teilen, ist sie abgezischt, als wäre sie erledigt. Röwekamp aber beherrscht die Kunst, strahlend zu lächeln, auch wenn’s ein Debakel war. Das ist die geschicktere Verkaufe. Er hatte allerdings auch schon oft genug Gelegenheit zu üben.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert