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Kommentar Bremer Hooligan-Prozess Offensive Saumseligkeit

Kommentar von

Henning Bleyl

Was die Hooligans bei ihrem Überfall anrichteten, ist schon auf der physischen Ebene schlimm. Hinzu kommt der Psychoterror auf die Betroffenen. Am meisten Schaden verursacht jedoch die Justiz selbst.

E s ist ein perfider Zirkelschluss: Weil die Mühlen der Bremer Justiz zu langsam mahlten, kommen die angeklagten Hooligans, die vor über viereinhalb Jahren eine linke Werderfan-Party überfielen, offenbar mit einem blauen Auge davon - vulgo mit überschaubaren Tagessätzen. Was sie bei ihrem brutalen Überfall anrichteten, ist schon auf der physischen Ebene schlimmer als ein dickes Auge. Hinzu kommt der ausgeübte Psychoterror, die fortgesetzte Bedrohung der Betroffenen. Am meisten Schaden verursacht jedoch die Justiz selbst.

Mit ihrer geradezu offensiven Saumseligkeit verhindert sie eine angemessene Strafverfolgung. Die Methode ist simpel: Wer lange genug wartet, erspart sich die spätere Prozessführung. Für die in diesem Verfahren nicht eben ambitionierte Haltung der Justiz spricht auch die Herabstufung des eigentlich vor dem Landgericht angeklagten Überfalls zu einem Amtsgerichts-Prozess. Dass der zuständige Staatsanwalt im Urlaub ist, wenn das Verfahren nach gut viereinhalb Jahren dort endlich beginnen soll, ist nur noch das I-Tüpfelchen auf der Untätigkeit.

Doch auch ein Amtsgericht muss die politische Dimension des Prozesses erkennen und anerkennen: Es geht nicht um eine Testosteron-gesteuerte Fan-Hauerei, sondern um den Überfall neonazistischer Hooligans auf ein antirassistisches Fanprojekt. Dem nicht mit aller Entschiedenheit Einhalt zu gebieten, ist gesellschaftlich fatal.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Henning Bleyl Freier Journalist

2001 bis 2016 Kulturredakteur der taz mit Sitz in Bremen
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2 Kommentare

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  • A
    anonymos

    Sehr klares Statement.. leider verhallt dieses, neben dringenden Forderungen gegen Rechts konsequent vorzugehen, durch die Haltung bürgerlicher Unvernunft und akzepterter strukturell rechter Gewalt, als angebliches Randgruppenphänomen.

     

    Bis wieder die Alliierten kommen.

  • A
    anonymos

    Sehr klares Statement.. leider verhallt dieses, neben dringenden Forderungen gegen Rechts konsequent vorzugehen, durch die Haltung bürgerlicher Unvernunft und akzepterter strukturell rechter Gewalt, als angebliches Randgruppenphänomen.

     

    Bis wieder die Alliierten kommen.