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Kommentar AKW-Besetzung Weckruf der Atomkraftgegner

Martin Kaul

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Martin Kaul

Das Unglück von Fukushima ist nahezu vergessen. Jetzt erinnern AKW-Gegner mit der Besetzung eines Uralt-Reaktors an die Gefahren der Atomkraft.

Z ugegeben, es gibt ja diesen Einschlafeffekt. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima liegt schon wieder drei Jahre zurück. Der pure Schrecken, der damals Zigtausenden Menschen weltweit durchs Mark glitt, ist einigen rationalen Einsichten gewichen. In Deutschland soll es eine Energiewende geben, in Europa wurden einige Kernkraftwerke nachgerüstet – und künftig soll es europaweit alle paar Jahre mal wieder einen Stresstest für Atomkraftwerke geben.

Das ist, grob gesprochen, der Stand in Europa. Wer darüber nicht wegdämmern will, braucht ab und zu mal einen Weckruf.

Dutzende AktivistInnen turnen auf Europas ältestem Kernkraftwerk herum. Das ist so ein Weckruf. Sie zeigen damit nicht nur, dass sie klettern können und gut organisiert sind, sondern vor allem, wie anfällig die Sicherheitsarchitektur der Gefahrenanlagen mitten in Europa noch immer ist. Es bedarf eines mittelmäßigen Aufwands – und dann wandert man gemütlich auf der Reaktorhülle hin und her.

Die Greenpeace-Bilder zeigen auch, wie erstaunlich schlicht diese Störung umzusetzen ist: Die AktivistInnen fuhren mit einer Landebrücke an den Sicherheitszaun heran, ließen eine Leiter ab – fertig.

Man darf an dieser Stelle ruhig mal auf den albernen Hinweis verzichten, was erst wäre, wenn das Terroristen täten. Es erübrigt sich auch, über Erdbebengefahren nachzudenken. Denn die Kraftwerksbesetzung zeigt auch so: In Sachen Atomenergie ist nach wie vor gar nichts sicher.

Für die Protestaktionen müssen die AktivistInnen potenziell auch mit Freiheitsstrafen rechnen. Dass Greenpeace diese Strategie der Kraftwerksbesetzung – Fessenheim war nicht die erste – dennoch seit Monaten konsequent fortführt, ist ein adäquates Mittel gegen den gesellschaftlichen Einschlafeffekt in Sachen Atomenergie. Deshalb darf man ruhig einmal sagen: Danke dafür.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Martin Kaul

Martin Kaul Reporter

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2 Kommentare

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  • lions

    "Man darf an dieser Stelle ruhig mal auf den albernen Hinweis verzichten, was...."

     

    Finde ich nicht albern, denn es ist ein Motiv der Aktivisten, immer wieder auf eine der Sicherheitslücken hinzuweisen, die zu einer Katastrophe führen können.

     

    Auch meinen Dank an die Aktivisten !

    • edvans

      @lions:

      Hervorragender Kommentar