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Kolumne PressschlagDie Abschottungsweltmeister

Kolumne
von Johannes Kopp

Der Deutsche Fußball-Bund verfällt in Sachen Aufklärungsarbeit zur WM-Vergabe 2006 wieder in ganz alte Verhaltensmuster zurück.

S chon ist sie wieder vorbei – die Zeit der leisen Töne beim Deutschen Fußball-Bund. Lange hat diese kleinlaute Phase im Zuge der Affäre um die Vergabe der WM 2006 ja nicht gedauert. Die paar kleinen Sünden fallen dem Selbstverständnis des Verbandes nach wohl angesichts der zahlreichen friedensnobelpreisverdächtigen Verdienste sowieso kaum ins Gewicht.

Und so schlug der DFB am Donnerstag eine Einladung des Sportausschusses des Deutschen Bundestags zum Thema „WM 2006“ vordergründig zwar aus Termingründen aus, um dann doch in einem Nachsatz unverhohlen die inhaltlich ablehnende Haltung deutlich zu machen. Außerdem, teilte der DFB mit, „erlauben wir uns auch, die Zuständigkeit des Deutschen Bundestags in dieser Angelegenheit kritisch zu hinterfragen“.

Vor der Aufklärungsarbeit muss also erst einmal die Zuständigkeitsfrage geklärt werden. Eine aufschlussreiche Einlassung aus zweierlei Gründen.

Zum einen versuchte sich bis vor Kurzem noch DFB-Präsident Reinhard Grindel in Abgrenzung zu seinem Vorgänger Wolfgang Niersbach als Aufklärungsweltmeister zu profilieren. Gern wies er dabei immer wieder auf die beispiellose hohe Geldsumme hin (5,1 Millionen Euro), die der DFB für die internen Untersuchung der Kanzlei Freshfield ausgegeben hatte, um die dubiosen Geldflüsse bei der WM-Vergabe aufzuklären. Und er betonte bei jeder Gelegenheit, dass er Fenster und Türen öffnen wolle, um den Verband zu lüften. Der Verband dürfe sich nicht abschotten.

Die Zuständigkeitsfrage

Was Grindel nun macht, gleicht aber der Abschottungspolitik von Niersbach, der ebenfalls im November 2015 kniff, als ihn der Sportausschuss einlud. Nur hatte Wolfgang Niersbach damals nicht die Traute, diesem Gremium die Zuständigkeit abzusprechen. Eingeladen war er übrigens auch von Reinhard Grindel, der zu der Zeit noch dem Ausschuss als CDU-Bundestagsabgeordneter angehörte.

Dass dieser nun die Zuständigkeitsfrage aufwirft, ist wirklich besonders aufschlussreich. Zwar hat der DFB schon im Vorfeld der WM 2006 gern die Mär verbreitet, das Turnier würde ohne öffentliche Gelder finanziert und der Staat profitiere zudem noch von den vielen ausländischen Fans, die nach Deutschland kämen und ihr Geld im Land lassen würden.

Dass Grindel sich nun vom Interesse der Politik abgrenzen will, erinnert an alte, muffige Zeiten

In Wahrheit jedoch wurde damals der Bau und die Renovierung der Stadien mit mehr als 800 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln bestritten. Die Sicherheitskosten schlugen für den Steuerzahler mit gut einer Milliarde Euro zu Buche. Dagegen musste der Staat durch die Steuerfreiheit, die man der Fifa gewähren musste, auf mehrere hunderte Millionen Euro Einnahmen verzichten.

Die Sponsoren des WM-Organisationskomitees, die gut 60 Millionen Euro zur Verfügung stellten, waren fast ausschließlich halbstaatliche Firmen (Bahn, Telekom, Oddset, Postbank, EnBW). Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender zahlten für ihre Übertragungsrechte 180 Millionen Euro.

Einmal mehr sind die Verbindung zwischen Politik und Sport offensichtlich. Dass Grindel sich nun vom Interesse der Politik abschotten will, erinnert an alte, muffige Zeiten. Beim Deutschen Fußball-Bund mangelt es weiter an Frischluftzufuhr.

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Johannes Kopp taz-Sportredakteur

Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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