Kolumne Leipziger Vierlei

Genosse Rundfunkanstalt

Durch die Woche in Leipzig mit revolutionären Auswüchsen beim MDR, einem SEK-Trupp und einer riesigen Häkeldecke.

Vier rote Karl-Marx Büsten

Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Foto: dpa

Ein Gespenst geht um in Leipzig – das Gespenst des Kommunismus. Anders kann ich mir nicht erklären, was diese Woche beim MDR ablief. Streik! Und das gleich über drei Tage. So richtig mit Programmausfall: kein „MDR um 4“, „Brisant“ oder „MDR-Aktuell“. Stattdessen Wiederholungen und Lückenfüller. Und wofür? Gehaltssteigerungen von 5,5 Prozent für feste und freie Mitarbeiter. Mittlerweile haben die Gewerkschaften und die Rundfunkanstalten zueinander gefunden.

Zwar hält sich meine Empathie für den MDR in Grenzen, dennoch bin ich glücklich über diesen zügigen Streikerfolg. Nicht aus ideologischen Gründen. Aber irgendwo hat sich sicher ein Rentnerpärchen gefreut, als dann am Mittwoch doch noch der Beitrag über den Rekordversuch zu Deutschlands größter Häkeldecke lief.

Und weil die örtliche Woche sonst nur deprimierenden Rotz hergibt (Antifa-Demonstration in Wurzen wird in G20-Manier von einem SEK-Kommando empfangen; ein Vergewaltigungsfall wird instrumentalisiert, damit sich Leipzigs SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung und Sachsens CDU-Innenminister Markus Ulbig über Sicherheitsausgaben anstänkern können), bleibe ich jetzt einfach bei dem flauschigen Häkelthema.

In dem kleinen Ort Hettstedt zwischen Halle und Harz werkeln Ines Wohlsein und ihre Häkel-Crew seit mittlerweile acht Monaten an 100 Quadratmetern Stoff. Damit liegen sie zwar noch 400 Quadratmeter hinter den Rekordhaltern aus der JVA Düsseldorf, bis Ende September ist allerdings noch Zeit.

Im Rahmen der „Zukunftswerkstatt“ der taz erscheint jeden Freitag statt der Neuland-Seite eine eigene Seite für Leipzig, die taz.leipzig: geplant, produziert und geschrieben von jungen Journalist*innen vor Ort.

Sie haben Anregungen, Kritik oder Wünsche an die Zukunftswerkstatt der taz? Schreiben Sie an: neuland@taz.de. Das Team der taz.leipzig erreichen sie unter leipzig@taz.de

Der Trick: Jeder von uns kann helfen und den Hettstedtern selbstgehäkelte Topflappen zuschicken. Jetzt müssen wir uns nur noch vom brüderlichen Geist des MDR mitreißen lassen. Liebe Häkelgenossinnen und -genossen, löst euch von euren Ketten, ergreift die Mittel der Häkelproduktion und vereinigt euch. Es lebe der MDR! Es lebe der Kommunismus. Es lebe die Revolution.

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