Kolumne Jung und dumm

Fest des Friedens und der Liebe

Wie komme ich unbeschadet durch die Feiertage? Und durch den Supermarkt? Ein kompetenter Ratgeber für alle Fälle.

Ein Einkaufswagen in Fahrt.

Und der Einkaufswagen, der rollt Foto: dpa

Unaufhörlich schreit ein Kind. Weihnachtsgebäck liegt aus, das erste. Schrillende Alarme. Die Körbe sind alle. Übervoll die Flaschenquetsche. Die Frau vor mir kauft vier Packungen „Rindfleisch von der Färse“. Jemand beschwert sich. Eine Asthmatikerin liegt in der Ecke und weint. Schon das fünfte Jahr in Folge.

Kassierende japsen nach Luft. Die Frau holt ein Messer und schreit. Brot, Brut, Blut. Jogurt läuft aus der Form. Alarmangst für alle. Alte Männer starren, Lebkuchennazis. Wurst und Fleisch. Wurst und Fleisch und Käse. Die Amme kräht: Salat. Katzen sind teuer geworden. Einige Halbstarke fahren auf Rollern um Regalecken und fallen krachend in Kühltruhen. Der Mozzarella muss da weg. Auf dem Klopapier steht „Happy End“.

Hutzelnde Häckselmaschinen verhacken verhutzelte hexende Hutmacherhomies am Pfadesrand platt und fahren danach in den Graben. Die Fireworkaholics gehen in Hab-Krach-Stellung. Hundegekläffe, Pudelparade, Taschengefauche: tropfende Extremitäten. „Das ist doch ein Katze“, sagt mein Nachbar so empfatisch wie ein Elepfant.

Die Quotentoten sitzen am Tisch und trinken wie Bergpferde. Verdammte politische Korrektheit, ja, das ist doch 1 Wahnsinn wie 1 nackte Aubergine, die brennt. Abfall und Ablenkung, Konsum und Erlösung: „Schnell Saucen reduzieren in konische Sauteusen-Stielkasserollen“. „Hochwertige Grubentücher“, „aromatische Geschmacksfülle“. Oh Olivenholzobjekte!

Weitere Nachrichten in Kurzform:

+++ Beim Dreh seiner allmonatlichen ARD-Sendung „Druckfrisch“ ist der begnadete Literaturkritiker Denis Scheck in eine Kiste gefallen. Dies berichten Quellen aus dem Umfeld des gebürtigen Stuttgarters: Als Scheck seiner dialektbedingten Maulsperre zum Trotz wieder einmal dazu angesetzt hatte, die aktuelle Spiegel-Bestsellerliste gewohnt souverän zu deklassieren und den größten Teil ihrer Bücher über ein Gepäckband in eine schwarze Plastikkiste zu „verwerfen“, sprang er zum Schluss gleich mit. Scheck sei weich gelandet.

+++ Reptiloiden sind out – die neuen Verschwörer gehören zur Ordnung der Insektenfresser. Dies offenbart ein Bericht des Spiegels, wonach die Bundespolizei einen „Maulwurf im Bundestag“ vermutet. Sigmar Gabriel dementierte sofort: „I have work to do.“ Bislang ist unklar, wie der SPD-Vorsitzende ungehindert an ein Büro mit Gartenzugang kommen konnte. Dazu passend starb Henry Heimlich, der Erfinder des Heimlich-Manövers, im Alter von 96 Jahren.

+++ Die alljährlich um Weihnachten und Silvester stattfindende Dart-Weltmeisterschaft in der Nähe von London ist nach Angaben der ZDF-Nachwuchshoffnung Jan Böhmermann ein „Fake“ – durch die ZDF-Nachwuchshoffnung Jan Böhmermann. Alle Werfer seien Schauspieler, sagte der Satiriker in einem fünfundzwanzigminütigen Enthüllungsvideo im „Neo Magazin Royale“ grinsend. Audience Rights Watch zufolge sind alle hunderteinundzwanzig Publikumszuschauer bei der Sendungsaufzeichnung eingeschlafen.

+++ Versöhnung in Frankfurt: Volker Weidermann entschuldigt sich bei Jutta Ditfurth – „für alles“. +++

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Jahrgang 1996. Seit 2015 bei der taz, Praktikum bei taz2/Medien und im taz.lab-Team 2016. Seit 2016 Kolumnist ("Jung und dumm") für taz2/Medien, Autor für Bildung, Meinung, Online, Wahrheit, Wochenende und taz2/Medien. Schreibt über Alltag, Medien und Wirklichkeit.

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