Kolumne Hier spricht Brasilien: Vögeln statt Fifa
Im Stadion sitzen während der Weltmeisterschaft die reichen Eliten. Alle, auch die Fifa-Kritiker, lieben Fußball, aber bitte doch nicht so!
Bild: dpa
N ão vai ter Copa – Vai ter cópula.“ Eines von vielen brasilianischen Wortspielen: „Es wird keine WM geben – es wird gevögelt.“ Logisch, fiel doch das Eröffnungsspiel auf den 12. Juni, unseren „Tag der Verliebten“. Ich war eine von Tausenden, die im Facebook zugesagt haben, dabei zu sein. Der Spaß war auch eine Form des Protests, um zu zeigen, dass es für viele weit genussvollere Dinge gibt, als vor dem Fernseher zu sitzen und auf den Sieg der brasilianischen Mannschaft zu hoffen.
Es wirkt eigenartig, aber anders als in anderen Jahren dauerte es, bis die Straßen angepinselt waren. Nur hier und dort sind grün-gelbe Fahnen zu sehen. Apathie, als ob viele Brasilianer vergessen hätten, dass bei uns zu Hause die Spiele stattfinden. Ausgerechnet wie, weltweit bekannt als Land des Fußballs.
Um dieses Klima zu verstehen, muss an das vergangene Jahr erinnert werden. Statt wie so oft träge und fern der sozialen Kämpfe, sahen wir die Notwendigkeit, für unsere Rechte auf die Straßen zu gehen. Es ging um Buspreise und Bildung, gegen Polizeigewalt und gegen sportliche Megaveranstaltungen.
30, macht ihren Master-Abschluss in Literaturwissenschaft und arbeitet als freie Journalistin in Rio de Janeiro.
Aber gegen die WM heißt nicht gegen Fußball. Im Gegenteil, wir lieben diesen Sport. Doch es gibt viel zu kritisieren, von der Geldverschwendung bis zur Elitisierung des Maracanã. Es reicht, sich das Publikum bei der Eröffnung anzuschauen. Fast alle Reiche, Weiße, ein privilegierter Ausschnitt aus einem Brasilien, das es so nicht gibt.
Aber genau deswegen wird es doch die Weltmeisterschaft geben. Aber wir werden weiter auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken zeigen, dass wir für ein Brasilien mit sozialer Gerechtigkeit sind. Und dass wir kreativ genug sind, um unsere Unzufriedenheit auszudrücken.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert