Kolumne Habibitus

Zutritt nur für Arier

Ein Fitnessstudio in Güstrow will Terrorismus mit Racial Profiling bekämpfen. Das wird derzeit genau nichts bringen.

Fitnessstudio von innen. Viele Laufbänder nebeneinander, auf dem vordersten sieht man die Beinen eines weißen Sportlers.

Jetzt neu: Sport nur noch für Arier Foto: dpa

Ganz schön viel Terror diese Woche: Beate Zschäpe stieg im NSU-Prozess vom Unschuldslamm zur Mittäterin auf, ein salafistischer Prediger, der eine IS-nahe Terrormiliz unterstützt hatte, wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt und in Güstrow nahm die Polizei am selben Tag drei Männer wegen eines „Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ in Gewahrsam. Durchsucht wurde nach Sprengstoff, gefunden bisher nichts. Vermutet wird ein islamistischer Hintergrund.

Stellen Sie sich jetzt mal vor, einer dieser Männer trainierte im gleichen Fitnessstudio wie Sie. Hätte vielleicht neben Ihnen Gewichte gehoben, während Sie mit der Beinpresse auf einen Hintern à la Nicki Minaj hinarbeiteten. Vermutlich hätten Sie mal voreinander geduscht. Oder was, wenn er im Vorbeigehen Ihrem Kind zugelächelt hätte, das Sie dort immer betreuen lassen? Na, schwitzen Sie schon? Was würde das Pumpen sicher machen?

Das Team eines Güstrower Fitnessstudios hatte da eine Idee. Einer der mutmaßlichen Täter war Mitglied bei ihnen. Und er war nicht nur vielleicht Terrorist, sondern hatte auch noch… einen Migrationshintergrund. Was wäre also die Konsequenz? Entweder einfach weitermachen wie gehabt oder den Laden zu, bis man weiß, was Sache ist.

Kein Sport für Mitbürger mit Migrationshintergrund

Die Leute von EasyFitness hatten allerdings einen eigenen Einfall. „Liebe Mitglieder“, stand mit blauem Filzstift auf einer Flipchart, die vor Ort fotografiert wurde. „Auf Grund jüngster Ereignisse (Terrorverdacht + Festnahmen) & zum Schutz unserer Mitglieder, werden wir ab SOFORT keine Mitbürger mit Migrationshintergrund mehr aufnehmen. Wir bitten euch um Verständnis. (…)“

In Zeiten von Fake-News war ich skeptisch, als das Foto aufpoppte. Also rief ich in der Filiale an und fragte einen Mitarbeiter, was da los war. Dieser betonte, dass ich die Reaktion verstehen müsse. Ich fragte ihn, woran er denn Menschen mit Migrationshintergrund erkenne und für wen die Regel gelte. Was wäre beispielsweise mit Franzosen? „Hauptsache, er sieht nicht aus wie aus der IS“, sagte er. In genau diesen Worten.

Ich erzählte ihm von der Verhaftung des Salafisten. „Der hieß Sven Lau.“ Er war überrascht. „Lau?“ ­– „Ja“, sagte ich. „Kein Migrationshintergrund.“ Er kam in Erklärungsnot: „Das ist einer, der radikalisiert wurde, die meisten Islamisten sind…“ Kanaken? Interessante Annahme in einem Land, in dem die bekanntesten Salafisten weiße Konvertiten sind. Sven Lau und Pierre Vogel. Könnten je nach Klamotte einfach nur als Wannabe-Hipster oder Bären gelesen werden. Hätte einer der beiden dort einen Anschlag geplant, wäre es ihm trotz Racial Profilings gelungen. Wie gefährlich können Kartoffeln schon sein, nicht wahr?

Terror machen immer die anderen. Die Kanaken, äh, Muslime, äh, Islamisten. Fahrlässige rassistische Annahme? Come on. Und der NSU? Und die übrigen Attentate, die von (mehrheitlich weißen) cis Männern verübt wurden? Vielleicht hätte der Fitnessclub eher die ausschließen sollen. Dann würden einer auch weniger nervige Typen auf den Arsch geiern, während man ihn trainiert.

 

Hengameh Yaghoobifarah, geboren 1991 in Kiel, studierte "irgendwas mit Medien“ (Medienkulturwissenschaft) und "mal was Exotisches“ (Skandinavistik) an der Uni Freiburg und in Linköping. Währenddessen und auch jetzt bloggte sie und schrieb als freie Autorin, unter anderem für die taz und die an.schläge. Heute ist sie Redakteurin beim Missy Magazine und lebt in Berlin.

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