Kolumne Der Kommissar #13

Die Schweiz für Arme

In Österreich hasst jeder jeden. Und alle zusammen hassen Ausländer, Juden und die EU. Darum sagen jetzt alle: Tschö mit Ö, Ösis!

Josef Fritzl: Reif für die EU? Bild: reuters

In Österreich hasst jeder jeden. Der eine Ösi hasst den anderen Ösi, die Männern hassen die Frauen, die Frauen die Männer, die Wiener die Bauern, die Bauern die Wiener, und alle zusammen hassen Ausländer, Juden und die EU.

Ständig ist der Ösi am „Sudern“ (Ösisch für „jammern“); ein Volk von Mitläufern und Feiglingen, das gegen jede Veränderung grantelt (Ösisch für: „FPÖ wählen“). Aber wenn‘s mal gut geht, hat er es „immer schon g‘wusst“ (Ösisch für: „Experten hatten frühzeitig darauf hingewiesen“). Wie bei Conchita Wurst, die die Ösis plötzlich ganz narrisch (Ösisch für: „ein interessantes, nicht hetero-normatives Narrativ“) finden.

Diese Eigenbrötler sind den Schweizern (Volksabstimmungen gegen Ausländer und Mindestlöhne) zum Verwechseln ähnlich. Denn: „Österreich und die Schweiz sind Alpenländer“, weiß taz-Expertin Saskia Hödl (29). Engstirnig sind beide (kein Meerzugang!), die Ösis sind nur ärmer.

Hauptstadt: Wien

Größe: klein

Bevölkerung: debil

Exportgüter: Mozartkugeln, Red Bull, Hitler

Berühmte Leute: Sissi, Freud, Fritzl

Berühmte Orte: Wiener Prater, Großglockner, Fritzlkeller

Kultur: Schwarzenegger, Schnitzel, Fritzl

EU-Tauglichkeit: null

Kein Wunder, dass die Ösi-Literaten (Thomas Bernhard, tot, Elfriede Jelinek, 67) mit Ösi-Witzen berühmt geworden sind und die Psychoanalyse in Wien erfunden wurde. So viele Depperte (Ösisch für: „Klienten“) findet man sonst nirgends („Ösipus-Komplex“). Der Ösi hält sich für einen Kulturmenschen (Mozartkugel, Sacher-Torte), liest aber nur die Idioten-Presse: Kronen Zeitung (Markanteil: 37 Prozent), heute (14 Prozent) und Österreich (10 Prozent). Klingen alle nach FPÖ und BZÖ, sind aber ÖVP und SPÖ. Den Unterschied kapiert sowieso nur der Ösi.

Bergiges Ödland bzw. ödes Bergland

Der größte Teil von Österreich ist bergiges Ödland bzw. ödes Bergland. Die einzige Stadt – Wien – ist die ödeste Stadt Europas: Die Supermärkte schließen um sieben, die Lokale um zwölf, die Hauptattraktion ist ein großes Rad („Riesenrad“). Dafür lieben die Mafia und Schurken aller Art Österreich (Golowatow, Gaddafi). Für Verbrecher hat die Ösi-Polizei (Major Kottan, Kommissar Rex) ein großes Herz, fuchsig wird sie nur bei Demonstranten.

Politik und Wirtschaft sind eng miteinander verbandelt („Freunderlwirtschaft“, Ösisch für „Fritzlwirtschaft“), ständig gibt es Affären, immer heißt's: „Es gilt die Unschuldsvermutung.“ Mit dieser Nummer haben sich die Ösis schon nach dem Anschluss an den österreichischen (!) Reichskanzler Hitler 1938 aus der Affäre gezogen – den einzigen Tapetenwechsel, den die Ösis je bejubelt haben, um sich hinterher zum „Opferreich“ zu erklären. Darum heißt es jetzt in ganz Europa: Babatschi, Ösis! (Ösisch für: „Tschö mi Ö, Ösis!“)

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Von Juli 2007 bis April 2015 bei der taz. Autor und Besonderer Redakteur für Aufgaben (Sonderprojekte, Seite Eins u.a.). Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik 2011. „Journalist des Jahres“ (Sonderpreis) 2014 mit „Hate Poetry“. Autor des Buches „Taksim ist überall“ (Edition Nautilus, 2014). Wechselte danach zur Tageszeitung Die Welt.

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