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König Boris übers St.-Pauli-Fan-Dasein„Bier trinken und rumpöbeln gehört schon dazu“

Fettes-Brot-Musiker Boris Lauterbach stellt ein Buch über seine Liebe zu St. Pauli vor. Leidensfähigkeit spielt bei dieser Passion eine Hauptrolle.

Interview von

Wilfried Hippen

taz: Herr König Boris, Sie haben Ihr Buch „FC St. Pauli: Eine Liebeserklärung“ ja schon fertig geschrieben. Aber fehlt da jetzt nicht noch ein Kapitel über den Abstieg aus der 1. Bundesliga?

König Boris: Ne! Ich bin zwar ziemlich geknickt darüber, dass wir abgestiegen sind, aber ich habe schon deutlich tristere Zeiten mit dem FC St. Pauli erlebt. Ich erinnere mich noch deutlich, dass wir gegen den Abstieg in die vierte Liga gekämpft haben. Da sah das alles noch ein bisschen anders aus.

taz: Als Fan muss man also leidensfähig sein?

König Boris: Ja! Besonders wenn man St.-Pauli-Fan ist. Die Liste mit unseren Auszeichnungen ist ja noch relativ leer und die Geschichte des FC. St. Pauli ist mit vielen Abstiegen sowie knappen Nichtaufstiegen gepflastert. Wenn man nicht in der Lage ist, Niederlagen wegzustecken, dann ist man bei St. Pauli an der falschen Adresse.

taz: Und wie sieht es auf der Plusseite aus?

König Boris: Dadurch, dass man schon viel Leid mit dem Verein erlebt hat, wird man ja an anderen Stellen umso mehr belohnt. Das sind die Aufstiege, ein Spiel gegen Rostock, das unerwartet noch gedreht wurde, oder der Sieg im Jahr 2002 gegen die Bayern.

taz: Das Verhältnis zum FC Bayern ist ja schon speziell, denn die haben den Verein ja einmal vor dem Bankrott gerettet.

König Boris: Das war die Zeit, als St. Pauli in der dritten Liga gespielt hat und kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Da ist der FC Bayern München zu einem Benefizspiel am Millerntor gegen uns angetreten und dabei ist damals viel Geld zusammengekommen.

taz: Wie sind denn so Ihre Manieren im Stadion am Millerntor?

König Boris: Ich versuche natürlich, mich anständig zu benehmen, aber es fällt mir nicht immer leicht: Bier trinken und manchmal ein wenig rumpöbeln gehört da schon dazu. Wir sitzen ja im sogenannten Kuchenblock, der so genannt wurde, weil da die Schönen und Reichen gesessen haben und der Rest des Stadions der Meinung war, die wären mehr an einem Stück Kuchen interessiert als an dem Fußballspiel. Wir schwenken da jetzt unsere eigene Fahne in den Vereinsfarben – aber mit einem Stück Schwarzwälder Kirschtorte drauf.

Im Interview: König Boris

als Boris Lauterbach 1974 in Hamburg geboren, war 1992 einer der Gründer der Hip-Hop-Band Fettes Brot. 2012 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum.

taz: Das klingt ja noch recht manierlich.

König Boris: Im alten Stadion saßen wir noch in der Reihe null direkt am Spielfeldrand. Und da konnten sowohl die gegnerische Mannschaft als auch die Schiedsrichter unsere Beschimpfungen sehr gut hören.

taz: Wäre es nicht Ihr Job als Musiker, eine Vereinshymne für den FC St. Pauli zu komponieren?

König Boris: Da sind Sie nicht der Erste, der das fragt. Aber das ist nicht so einfach, wie man denkt. Und glücklicherweise wird ja schon etwas von Fettes Brot im Stadion gesungen. Unser Song „Schwule Mädchen“ wurde da in „Oh, St. Pauli“ umgedichtet, und das ist eine große Ehre.

taz: Was verbindet für Sie Musik und Fußball?

König Boris: Was wären die Fankurven ohne die Songs, auf deren Melodien die Fangesänge basieren. Und auch in den Mannschaftskabinen läuft viel Musik. Der ehemalige St.-Pauli-Trainer Timo Schulz, der ja auch Spieler für den Verein war, hat uns erzählt, dass zu seiner Zeit oft Fettes Brot in der Kabine lief. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

taz: Und in Sportstadien finden ja seit den Beatles auch Konzerte statt.

König Boris: Und ich hatte das große Glück, beides erleben zu dürfen. Im Jahr 2000 spielten wir am Millerntor im Rahmen eines Hiphop-Festivals vor 15.000 Leuten. Und als der 100. Geburtstag des FC St. Pauli mit einer großen Party gefeiert wurde, durften wir noch mal im Stadion unseres Lieblingsvereins auftreten.

Die Lesung

König Boris liest aus seinem Buch „FC. St. Pauli: Eine Liebeserklärung“, 7.6., 20 Uhr, Schanzenzelt, Sternschanze 1, Hamburg, Tickets ab 24 Euro

taz: Was ist denn da der Unterschied zwischen den Fans bei einem Spiel und einem Konzert?

König Boris: Wenn ich auf der Bühne stehe und Musik mache, gucken die Leute von unten zu uns herauf. Und wenn man Fußball spielt, steht man unten und die Leute schauen auf einen herab. Das fühlt sich anders an. Und unser Vorteil ist, dass wir keinen Gegner haben.

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