Klimaneutrale Paketzustellung: Letzte Meile per Rad

Der Hamburger Senat macht einen Feldversuch zur umweltfreundlichen Feinverteilung von Paketsendungen in der Innenstadt.

Drei Paketboten mit ihren Lastenrädern vor einer Ziegelfassade

Auf dem Weg vom gemeinsamen Mikrodepot zum Kunden: Paketboten mit Lastenrädern Foto: Marc-Oliver Schulz/Hamburger Hochbahn

HAMBURG taz | Sie bringen das ersehnte Paket von Amazon oder Zalando und parken gerne in der zweiten Reihe: die Lieferfahrzeuge der Paketdienstleister. Weil ihre Zahl aufgrund veränderter Konsumgewohnheiten zugenommen hat, versucht der rot-grüne Senat jetzt mit einem Feldversuch gegenzusteuern: Umweltfreundliche Lastenfahrräder sollen die „letzte Meile“ zum Empfänger bedienen. Damit das klappt, ist jetzt beim Chilehaus ein Güterverteilzentrum im Miniformat eröffnet worden.

Dieses sogenannte Mikrodepot löst das Problem, dass Lastenfahrräder selbst mit Elektrohilfsmotor eine im Vergleich zum Transporter geringe Reichweite und Ladekapazität haben. Also bringt der Laster die Pakete zum Mikrodepot und die Radfahrer verteilen sie weiter.

Solche Lieferungen seien „sauber, sicher und leise“, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bei der Vorstellung des neuen Verkehrsprojekts Ende vergangener Woche. Gleichzeitig würden „Staus und Emissionen in den engen Quartieren sowie der Innenstadt spürbar verringert“.

Der Paketdienstleister UPS betreibt schon seit 2012 Mikrodepots in Hamburg. „Unsere Lösung in Hamburg dient als Leuchtturm-Projekt und wir konnten diese Form der Zustellung bereits auf über 30 Städte weltweit übertragen“, sagt Frank Sportolari, Präsident von UPS Deutschland. Eine große Herausforderung sei es dabei, passende Standorte zu finden. Ein Projekt, das verschiedene Logistiker bei weiterhin eigenständigen Operationen zusammenbringe, um eine städtische Fläche effektiv zu nutzen, könne wegweisend sein.

Stefan Eckelmann, DHL

„Mit Lastenrädern allein lassen sich die steigenden Sendungsmengen nicht bewältigen“

Für den jetzigen Modellversuch haben sich neben UPS die Paketdienstleister DHL (Deutsche Post) und Hermes sowie die Supermarktkette Rewe unter Regie der Hamburger Hochbahn (HHA) zusammengetan. Die Hochbahn stellt den Raum zur Verfügung, in dem die vier Dienstleister ihre Sendungen zwischenlagern. Allein Hermes hofft, von dem zentral gelegenen Depot aus mit vier Lastenrädern 8.500 Sendungen pro Monat beinahe emissionsfrei zustellen zu können.

Für die städtische Hochbahn wiederum geht es bei dem Versuch darum, festzustellen, inwiefern sie mit ihren über die Stadt verstreuten Liegenschaften beitragen kann, Mikrodepots einzurichten: Wo müssen sie liegen? Welche Kriterien gilt es zu erfüllen? „Perspektivisch wollen wir uns anschauen, welche Rolle unsere Infrastruktur hier spielen könnte“, sagt Hochbahn-Chef Henrik Falk.

An eine Belieferung der Mikrodepots per U-Bahn, wie sie in Frankfurt am Main ausprobiert wurde, denke die Hochbahn allerdings nicht, sagt Pressesprecherin Constanze Dinse.

Etwas Wasser in den Wein gießt Stefan Eckelmann von DHL. „Mit Lastenrädern allein lassen sich die steigenden Sendungsmengen nicht bewältigen“, sagt Eckelmann. Angesichts des stark wachsenden Internethandels setze die Post auch in Zukunft auf die weitere Elektrifizierung ihrer Fahrzeug-Flotte und auf intelligente Routenplanung.

Das Projekt Mikrodepots gehört zum Reallabor Hamburg (RealLabHH), das von der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) der Bundesregierung initiiert wurde. Mit gut 20 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium gefördert, soll in Hamburg praktisch ausprobiert werden, wie die Mobilität der Zukunft aussehen könnte.

Bei weiteren Projekten geht es etwa darum, Dienstwagen durch Mobilitätsbudgets zu ersetzen, um eine neutrale Mobilitätsplattform oder darum, wie schwache Verkehrsteilnehmer besser geschützt werden könnten. Erste Ergebnisse sollen beim Weltkongress für Intelligente Verkehrssysteme (ITS) im Oktober in Hamburg vorgestellt werden.

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