Klimadeal zwischen China und USA: Reine Symbolik

Dass sich die zwei größten CO2-Emittenten beim Klimagipfel auf einen Pakt einigen, klingt großartig. Doch es gibt es an dem Papier nichts, was hilft.

Xi Jinping bei einer Pressekonferenz vor einem Wandgemälde.

Der chinesische Präsident Xi Jinping beim APEC-Treffen am 11. November Foto: Xinhua/ap

Die Beziehungen zwischen den zwei führenden Weltmächten sind derart angespannt, dass man sich mit rein symbolischen Schritten in die richtige Richtung schon zufrieden gibt. Allein dass China und die USA wieder miteinander reden, ist angesichts der jüngsten Entwicklungen begrüßenswert. Dass sich die zwei größten CO2-Emittenten nun in Glasgow auf einen Klimaschutzpakt einigen, klingt auf dem ersten Blick geradezu großartig.

Nur: Bei näherer Betrachtung gibt es an dem Papier nichts, aber auch gar nichts Neues. Was der internationalen Staatengemeinschaft wirklich helfen würde, wäre ein konkreter Zeitplan zur Schadstoffreduktion der Chinesen. Wie schnell wird der CO2-Ausstoß sinken und wann genau werden die einzelnen Wirtschaftsbereiche ihren CO2-Höhepunkt erreicht haben? Noch will sich Peking in vielen dieser zentralen Punkte nicht festlegen.

Insofern sollte der Klimaschutzpakt eher als politisches Vorspiel zur Entspannung der bilateralen Beziehungen gesehen werden, eine Art roter Teppich für die diplomatischen Ereignisse in der nächsten Woche: Dann werden US-Präsident Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping zu einem virtuellen Gipfeltreffen zusammenkommen. Dass es dabei auch prominent um Klimafragen gehen wird, ist zu hoffen.

Doch das jetzige Dokument aus Glasgow dient noch einem weiteren Zweck: Nachdem die Nichtteilnahme von Xi Jinping für Kritik und Spott gesorgt hat, möchte die Volksrepublik nun das PR-Desaster wiedergutmachen.

In Peking ist das Thema Klima gerade wieder etwas nach hinten gerückt. China hat gerade erst die schlimmsten Folgen der Energiekrise abgewendet, indem man die Kohlekraftwerke hochfuhr. Nun nimmt der größte Covid-Infektionsausbruch seit der ersten Welle sämtliche Energien der Behörden in Anspruch. Dann stehen die Olympischen Winterspiele an, und schon bald folgt Xi Jinpings politische „Krönung“ zur dritten Amtszeit. Der konkrete Plan zur Schadstoffneutralität muss wohl warten. Dabei wäre er eigentlich die wichtigste aller Angelegenheiten.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Seit 2019 China-Korrespondent mit Sitz in Peking. Arbeitete zuvor fünf Jahre lang als freier Journalist für deutschsprachige Medien in Seoul, Südkorea. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de