Kitabetreuung im Ländervergleich: Zu große Gruppen, zu wenig Personal

Die Unterschiede bei der Kitaqualität sind riesig, zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Dazu kommt: Bis 2030 fehlen 230.000 Erzieher:innen.

3 Kinder auf balancieren auf einer Leiter

Warum besucht nur jedes dritte Kind eine Kita? Foto: Sebastian Kahnert/dpa

BERLIN I| Von idealen Bedingungen an Kitas ist Deutschland weit entfernt. Das ist das Ergebnis des alljährlichen Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme, das die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag in Gütersloh vorstellte.

Demnach besuchen in westdeutschen Bundesländern trotz des massiven Kita-Ausbaus in den vergangenen Jahren lediglich 31 Prozent der Unterdreijährigen eine Kita oder Kindertagespflege. In ostdeutschen Bundesländern, wo die Teilnahmequote mit 53 Prozent deutlich höher ausfällt, sind hingegen die Betreuungsschlüssel mau.

Statt des von Bil­dungs­ex­per­t:in­nen als „kindgerecht“ empfohlenen Personalschlüssels von 1:3 in Krippen beziehungsweise 1:7,5 in Kindergärten kümmern sich Er­zie­he­r:in­nen dort teils um fast doppelt so viele Kinder. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern, wo eine pädagogische Kraft im Schnitt 5,9 Krippenkinder beziehungsweise 12,9 Kindergartenkinder gleichzeitig betreut. Lediglich Bremen und Baden-Württemberg weisen laut der Au­to­r:in­nen gute Betreuungsschlüssel vor.

„In den vergangenen Jahren hat sich viel positiv entwickelt beim Kitaausbau“, sagt Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung der taz. So habe sich in den meisten Ländern seit 2013 der Personalschlüssel in Krippen- und Kindergartengruppen stetig verbessert. Auch habe sich die Betreuungsquote bei den Unterdreijährigen nach 2015 weiter erhöht, so Stein. „Dem Ziel, die extremen Qualitäts- und Teilhabeunterschiede zwischen Ost und West anzugleichen, ist Deutschland aber kaum näher gekommen.“

Mehr Personal oder Eltern entlasten?

Ein Grund dafür sieht Stein auch in mangelnden Vorgaben beim sogenannten Gute-Kita-Gesetz. 5,5 Milliarden Euro stellt die Bundesregierung den Ländern zwischen 2019 und 2022 für den Kita-Ausbau zur Verfügung. Einige Länder wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern verwenden die Bundesgelder aber auch dazu, Gebührenerleichterungen für Eltern zu finanzieren. Nicht alle Länder, so Stein, hätten die Gute-Kita-Gelder in dringend benötigtes Personal gesteckt. Unklar sei auch, ob der Bund sich nach 2022 weiter finanziell am Kita-Ausbau beteilige.

Am Dienstag forderten das Deutsche Kinderhilfswerk und der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Bundes beim Kita-Ausbau. Die Bildungsgewerkschaft GEW mahnte „flächendeckend geltende Mindesstandards“ beim Personalschlüssel an. In jedem Land ist unterschiedlich geregelt, wie die Kita-Träger ihre Personalkosten refinanzieren.

Ein ungelöstes Problem beim geplanten Kita-Ausbau bleibt der Fachkräftemangel. Wie die Bertelsmann-Stiftung in dem ebenfalls am Dienstag vorgestellten Fachkräfte-Radar ermittelt hat, fehlen bis 2030 rund 230.000 Erzieher:innen, um eine bundesweite „kindgerechte“ Betreuung zu gewährleisten.

Genügend Fachkräfte ließen sich bis dahin nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung auch nicht ausbilden, selbst wenn der Beruf etwa über höhere Gehälter attraktiver gemacht würde. Vielerorts fehlten dafür die Berufsschullehrer:innen, um die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de