Kinder fragen, die taz antwortet: Wie ist die erste lebende Zelle entstanden?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Sam, 5 Jahre alt.
Foto: Frank Wagner/imago
Überall spucken Vulkane Feuer. Dicke schwarze Wolken verdecken die Sonne. Und unten in den Ozeanen blubbern heiße Quellen auf dem Meeresboden. So soll unsere Erde vor sehr, sehr langer Zeit ausgesehen haben: vor ungefähr vier Milliarden Jahren. In dieser Zeit, vermuten Forscherinnen und Forscher, fing auf unserem Planeten das Leben an.
Wie das genau passiert ist, lässt sich schwer sagen. Es war ja niemand dabei, der zugeschaut hat. Sicher ist aber, dass keine Zauberei dahinter steckte, sondern Chemie. In der Chemie geht es um die verschiedenen Stoffe, die sich miteinander verbinden und aus denen auch heute alle Dinge gemacht sind.
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Es gibt mehrere Ideen, wie das Leben entstanden sein soll. Der Forscher Stanley Miller hat vor 70 Jahren einen Versuch dazu gemacht: Er füllte Wasser und ein paar Gase in eine Glasflasche. Dann erhitzte er die Mischung. Nach ein paar Tagen fand er darin winzige Stoffe, die sozusagen die Bausteine für Lebewesen sind.
Andere Forscherinnen und Forscher glauben, nicht etwa Blitze, sondern die heißen Quellen im Meer haben das Leben auf die Erde gebracht. Dort war es warm, und im Gestein gab es ganz viele winzige Löcher. Darin könnten sich die Bausteine zusammengefunden haben. Vielleicht so lange, bis Stoffe entstanden, die sich selbst vervielfältigen konnten. Sich vermehren zu können, das ist einer der Hinweise für Leben. Und dann kam vielleicht Fett dazu. Fett und Wasser mögen sich nicht und vermischen sich kaum. Das siehst du an den Fettaugen, die auf der Suppe schwimmen. So ein winziges Fettbläschen könnte die Bausteine des Lebens umhüllt und geschützt haben. Fertig war die erste Zellwand. Mit Stoffen innen drin, die sich vervielfältigen können. Vielleicht ist so die erste lebende Zelle entstanden.
Forscherinnen und Forscher nennen die erste echte, sich selbst vermehrende Zelle LUCA. Das ist eine Abkürzung. Auf Deutsch bedeutet sie „letzter gemeinsamer Vorfahre“. Luca ist sozusagen die Ur-Ur-Ur-Ur-Oma von allem, was heute lebt: von Quallen, Fischen, Pflanzen, Dinos – und von dir. Du bist heute auf der Welt, weil es jeder einzelne deiner Vorfahren geschafft hat, alt genug zu werden, um sich zu vermehren, bevor er oder sie oder es gestorben ist. Immer wieder, vier Milliarden Jahre lang. Hätte das in dieser langen Lebenszeit deiner Ur-ur-ur-Ahnen nur ein einziges Mal nicht geklappt, würde es dich nicht geben. Unglaublich, oder?
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