Kilimandscharo in Flammen: Brand an Gottes Haus

Für die Massai-Nomaden ist der Kilimandscharo der Sitz Gottes. Am Sonntag war an der Südflanke des Bergs ein Großbrand ausgebrochen.

Brände an den Hängen eines Berges.

Feuer am höchsten Berg Afrikas, dem Kilimandscharo in Tansania Foto: Thomas Becker/dpa

NAIROBI taz | Ein seit Sonntag dauernder Brand hat am Kilimandscharo in Tansania großen Schaden angerichtet – und das Feuer wütet weiter. Auf Satellitenbildern ist ein deutliches Ausbreiten der Flammen zu sehen, die sich jetzt zudem geteilt haben. Der Großbrand war an der Südflanke des Kilimandscharo ausgebrochen und hat seitdem nach offiziellen Angaben mindestens 28 Quadratkilometer Heidefläche zerstört.

Die Behörden gehen davon aus, dass der Brand durch Bergführer verursacht wurde, die ein Feuer machten, um das Essen für Touristen aufzuwärmen. Der Brand verbreite sich sehr schnell durch den starken Wind und das trockene Gebüsch, hieß es, und wüte auf enormer Höhe. Hunderte von Feuerwehrmenschen, Mitarbeiter der nationalen Parkbehörden und Bewohner seien Tag und Nacht damit beschäftigt, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Es gibt öfter Feuer auf dem Kilimandscharo, der mit 5.985 Metern der höchste Berg Afrikas ist. Aber dieses Mal ist das Feuer heftiger als in den letzten Jahren. Die Vegetation ist momentan sehr ausgetrocknet, so knapp vor der kleinen Regensaison, die für November erwartet wird.

Für die Massai, die am Fuße des Bergs leben, der ganz nah an der Grenze zu Kenia liegt, war die in der Sonne glitzernde Eiskappe traditionell der Sitz von Ngai, Gott. Naturschützer machen sich um eben diese Eiskappe schon lange große Sorgen. Das Eis verschwindet nämlich immer schneller durch den Klimawandel. Seit 1912 hat sich die Eisschicht um 85 Prozent verringert und Experten fürchten, dass sie bis zum Jahr 2030 völlig verschwunden sein wird.

Jährlich kommen 50.000 Bergsteiger-Touristen

Der Kilimandscharo wird jährlich von 50.000 touristischen Bergsteigern besucht, aber durch das Coronavirus gab es dieses Jahr viel weniger Reisende. Einige Bergsteigergruppen waren dennoch vor Ort – für sie hat nun ein verzweifelter Abstieg begonnen. „Hier ist zu viel Rauch, wir haben Angst vor einer Kohlenmonoxidvergiftung“, berichtete die Bergführerin Debbie Bachmann, die am Donnerstag den Aufstieg mit einer Gruppe von Deutschen, Österreichern und Schweizern abbrach.

Auf einem Foto war eine dichte Rauchwolke zu sehen, die den Weg versperrte. Sie habe zunächst die Anweisung der Parkbehörde erhalten, sich mit ihrer Gruppe im 4.673 Meter hoch gelegenen Barafu Camp in Sicherheit zu bringen, sei dann aber zum Horombo-Lager hinabgeschickt worden. Ein Camp mit Bergsteigern aus der Schweiz und anderen Ländern war in der Nacht bereits wegen heranziehender Flammen geräumt werden, wie Tour-Organisatoren der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagten.

In Afrika kommen nur der Kilimandscharo, der Mount Kenya und die Ruwenzori-Bergkette auf der Grenze zwischen Kongo und Uganda auf über 5.000 Meter Höhe und haben tropische Gletscher – die zuletzt immer kleiner wurden. Der US-amerikanische Klima- und Gletscher-Experte Douglas Hardy hat im Februar den berühmten kanadischen Gletscherbesteiger Will Gadd auf den Kilimandscharo begleitet. Gadd hilft dem UN-Umweltprogramm (Unep), für fragile Berg-Ökosystemen und das Abschmelzen der Gletscher zu sensibilisieren. „Die Gletscher auf dem Berg reagieren empfindlicher auf Änderungen des Schneefalls, der Wolkendecke und der Luftfeuchtigkeit als auf kleine Änderungen der Lufttemperatur.“ Die Erwärmung des Indischen Ozeans, an dem Tansania liegt, soll dies ausgelöst haben, die Wettermuster rund um Kilimandscharo verändert und zum Abschmelzen der Gletscher geführt haben.

Der Berg, liebevoll Kili genannt, ist ein schlafender Vulkan mit drei Gipfeln namens Kibo, Mawenzi und Shira. Die Bauern und Nomaden am Fuß des Berges in Tansania und Kenia, ungefähr zwei Millionen Menschen, sind großenteils abhängig vom Schmelzwasser, das dem Berg herunterströmt – und das wird immer weniger. Die Regensaison in März und April war zwar überreichlich und brachte auf den Spitzen viel Schnee, aber die Eiskappe an sich wuchs nicht. Experten bemerken, dass das Eis nicht einmal schmilzt, sondern größtenteils gleich verdampft.

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