Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz: Norbert Röttgen vs. FDP

Eigentlich will Norbert Röttgen die CDU jünger machen. Gegen die FDP pöbelt er aber mit einem Wording aus dem Geschichtsbuch.

Jemand pudert Norbert Röttgens Stirn ab

CDU-Vorsitz-Kandidat Norbert Röttgen in der Maske Foto: Christoph Soeder/dpa

Unsichere Kantonisten. Mit diesem Ausdruck bezeichnet Norbert Röttgen die FDP, weil diese 2017 die Regierungsverantwortung verweigert habe. Röttgen nennt das auch „ein historisches Versagen“. Aber was ist los mit Röttgen? Warum pöbelt dieser nette Politiker auf einmal so rum?

Es ist gerade nicht so leicht, sich als CDU-Vorsitz-Kandidat von den anderen abzugrenzen. Nicht nur optisch wirken die Anzugherren wie eine bürgerlich-konservative Version der Dalton-Brüder, auch inhaltlich schafft es auf markante Weise nur einer, sich von den anderen abzuheben: Friedrich Merz mit den altbekannten Ressentiments gegen Geflüchtete. Röttgen pöbelt jetzt also, weil er sagen will: Hey Leute, Armin und ich, wir mögen einander ähneln, aber ich bin eigentlich ganz anders. Laschet kann bekanntlich ganz gut mit der FDP, in NRW regiert er mit ihr. Röttgen sagt jetzt, eine Koalition mit der FDP würde er nicht eingehen.

Nun ist es aber so, dass die Pöbelei von Röttgen für CDU-Freaks ein wahrer Akzent sein mag; vielleicht eine richtige Entscheidungshilfe. Er wird aber nicht ausreichen dafür, dass die Jugend da draußen ihn nicht mehr mit den vielen anderen alten, weißen CDU-Männern verwechselt; was jedoch wichtig wäre für jemanden, der auch Kanzlerkandidat seiner Partei werden möchte.

Angestaubtes Vokabular

Das Wording macht es auch nicht besser: Unsichere Kantonisten – was soll das überhaupt sein? Wer das wirklich wissen will, kann natürlich schnell googeln. Aber der Ausdruck klingt so oldschool, dass man dem Internet in dieser Frage nicht so ganz trauen mag und stattdessen in einem physischen Lexikon nachschaut.

„In Preußen führte Friedrich Wilhelm I. 1733 das K. (Kantonsystem; Anm. d. Red.) ein. Danach waren alle Männer (mit bestimmten Ausnahmen) zum Dienst im Regiment ihres Kantons verpflichtet; die nach dem K. dienstpflichtigen Rekruten nannte man Kantonisten“, steht etwa im Brockhaus. Weitere Recherche ergibt, dass mit „unsicherer Kantonist“ ein Rekrut gemeint ist, der versucht, sich dem Wehrdienst zu entziehen.

Abgesehen davon, dass das doch eher nach einer Ehrung als nach einer Beleidigung klingt, hat man nach dieser Kurzrecherche möglicherweise schon wieder vergessen, ob es nun Laschet oder doch Röttgen war, der Koalas likt. Und das ist überhaupt gar nicht gut für Röttgen, der die CDU ja, wie er sagt, jünger machen will.

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