Kampagne #JeSuisFacu: Satire? Nicht in Spanien
In Madrid wird der Macher der Satiresendung „Tuerka News“ angeklagt. Viele stellen sich hinter den Humoristen.
MADIRD taz | Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy ist Charlie, doch nur in Paris. Während der Konservative am Sonntag mit Dutzenden hochrangigen Politikern für Meinungsfreiheit und gegen Terrorismus demonstrierte, bereitet der oberste Strafgerichtshof in Madrid ein Verfahren gegen den Humoristen Facu Díaz vor.
Der junge Künstler geht einmal in der Woche mit seinem satirischen Nachrichtenmagazin „Tuerka News“ ins Netz. Jetzt wird er der „Verunglimpfung der Opfer des Terrorismus“ beschuldigt. Die Anzeige stammt von der Rajoys Volkspartei (PP) nahestehenden Gruppierung „Würde und Justiz“. Am Donnerstag muss Díaz erstmals vor den Kadi.
Das fragliche Programm trägt den Titel „Die PP löst sich auf“. Facu Díaz sitzt vermummt vor der Kamera. An der Wand das Emblem von Rajoys Partei, auf dem Tisch ein Foto eines am Tag zuvor wegen Korruption verhafteten hochrangigen PP-Politikers.
Der Vermummte gibt bekannt, dass die konservative Partei nach 20 Jahren „endgültig ihre bewaffneten Aktivitäten einstellt“. Das gewählte Szenario gleicht dem von vor drei Jahren, als die baskische Separatistenorganisation ETA ankündigte, den bewaffneten Kampf endgültig einzustellen. Genau deshalb klagt „Würde und Gerechtigkeit“ nun. Der Sketch sei eine „Verharmlosung“ der ETA und damit eine Beleidigung deren Opfer.
Rajoys PP nutzt die Klage, um Stimmung gegen die neue linke Protestpartei Podemos zu machen, die bei Umfragen deutlich vor den Konservativen liegt. Auf „La Tuerka“ ist nämlich auch Podemos-Gründer und Generalsekretär Pablo Iglesias beliebt.
Der Politikprofessor interviewt dort bekannte Künstler, Professoren und Politiker. Er solle sich von Díaz distanzieren, fordern nun die Konservativen. Iglesias stellt sich hinter den Humoristen. Viele tun es ihm gleich. #JeSuisFacu heißt die Kampagne im Netz.
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