Kaffeetrinken mit Kuh: Versprochen ist versprochen, Habibi
In Berlin-Wedding sorgt der Falafelverkäufer für Kundenbindung mit einem neckischen Wutausbruch. Und der Kaffee schmeckt sogar auch.
A uf der Suche nach einem Kaffee, der nicht nach Plörre schmeckt, betreten Rick und ich gegen Mittag den „Falafel Dream“ Vöner-Place am S+U Wedding, ein umgebauter Bus in mattem Silber voller „All Vegan“-Sticker.
„Habibi, was kann ich für dich tun“, sagt der Verkäufer als wir zur Tür reinkommen. „Kaffee, wenn ’de hast“, sagt Rick. Der Blick hinter der Theke schwenkt auf mich: „Und du, Habibi? Nur zugucken? Hinsetzen wollta euch wohl auch.“
„Nee, nee, to go.“
„Milch dazu, Habibi?“
„Schuss Hafermilch, wenn ’de hast.“
„Wallah, Hafermilch“, wirft er den Kopf in den Nacken. „Hör mir auf mit Hafermilch. Nur Kuh, Habibi. Vier Jahre hab ich vegan gemacht. Kein Schwein kommt. Jetzt nur noch Fleisch, zalameh.“
Wir lachen. Kundenbindung durch neckischen Wutausbruch. Willkommen im Wedding.
„Na dann halt Kuh.“
Er kassiert jeweils 2,50 € von uns. „Ah, so einer bist du, Habibi“, grinst er, als ich es ihm passend gebe, und macht sich sofort an die Zubereitung. Knöpfe werden gedrückt. Die Maschine beginnt seltsam zu zischen und zu fauchen, Dampfwolken steigen auf. Ich denke an Nebelmaschinen nachts im Club, während der Verkäufer flucht und wild auf dem Gerät herumtippt. „Wallah, Scheißteil, ich kotze, amnakyim!“
Die Maschine hat einen schlechten Tag, aber die 2,50 € haben sich auch so schon gelohnt. „Kann ich Milch auch so reinkippen, Habibi?“ – „Klar“, sagt Rick. „Kein Ding“, sage ich und er gießt uns jeweils einen Schuss Kuhmilch in die Becher. „Aber ihr kriegt 50 Cent zurück, Habibis! Ich hab euch hier Milchschaum versprochen, aber Kaffee schwarz kostet 2 €.“
„Ach, behalt mal“, winke ich ab.
„Nein, nein! Versprochen ist versprochen, Habibi!“
Er drückt uns jeweils 50 Cent in die Hand und es ist klar, dass darüber jetzt nicht weiter diskutiert wird. „Macht euch 'n schönen Tag, Habibis“, entlässt er uns.
„Du auch.“
„Hau rein.“
Zurück im Lärm der Müllerstraße nehmen wir den ersten Schluck. Perfekt. Genau was wir wollten. Danke, Habibi. Von Herzen.
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