Kämpfe um Berg-Karabach: Die Waffen schweigen nicht

Die Gefechte um Berg-Karabach weiten sich aus. Aserbaidschan meldet Vorstöße, armenische Kräfte beschießen eine aserbaidschanische Stadt.

Eine Person geht in der Nacht an einem brennenden Gebäude vorbei.

Stepanakert am 3. Oktober nach aserbaidschanischem Angriff Foto: Celestino Arce Lavin/zume wire/dpa

BERLIN taz | Die Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Kontrolle der Region Berg-Karabach haben sich am Sonntag ausgeweitet. Laut aserbaidschanischer Regierung trafen armenische Raketen Aserbaidschans zweitgrößte Stadt Gandscha im Nordwesten des Landes. Aserbaidschans Verteidigungsminister Zahir Hasanov sagte, die Bombardierung sei eine Provokation und würde das Gebiet der Kampfhandlungen erweitern. Auch die Orte Terter und Goradiz sollen angegriffen worden sein.

Die Türkei, enger Verbündeter Aserbaidschans, verurteilte die Bombardierung Gandschas und sprach von „Attacken Armeniens“. Es sei ein weiterer Beweis dafür, dass Armenien das Gesetz nicht anerkenne, so das türkische Außenministerium.

Die armenische Regierung dementierte den Angriff, aber die Behörden der selbst ernannten Republik Berg-Karabach bestätigten die Zerstörung eines Militärflughafens in Gandscha. Der Präsident von Berg-Karabach, Arayik Harutiunian, bestätigte am Sonntagmittag auf Twitter den Befehl, den er mittlerweile eingestellt habe. „Wenn es der aserbaidschanischen Militärführung nicht gelingt, angemessene Lehren zu ziehen, wird unsere entsprechende Reaktion fortgesetzt“, schreibt er.

Zuvor hatte Harutiunian auf Twitter aserbaidschanische Angriffe auf zivile Ziele in Berg-Karabachs Hauptstadt Stepanakert verurteilt. Laut mehreren Berichten heulten dort am Sonntagmorgen die Sirenen in Dauerschleife, Explosionen erschütterten die Stadt. Die Bewohner:innen suchten Zuflucht in Kellern und Unterständen.

In der Nacht zum Sonntag brach dort auch die Stromversorgung zusammen. Nach Angaben des örtlichen „Außenministeriums“ hatten die Angriffe „eine Einrichtung der Stromversorgung“ getroffen. Schon am Freitag und zu Beginn der Kämpfe vor einer Woche war Stepanakert beschossen worden.

Aserbaidschan verkündet lokale Siege

Die Gefechte tobten am Wochenende weiter, obwohl die internationale Gemeinschaft mehrfach zur Waffenruhe gemahnt hat. Beide Konfliktparteien sprechen von Tausenden getöteten Kämpfern auf Seiten des Gegners. Die genaue Opferzahl bleibt unklar, da beide Seiten zu Übertreibungen neigen.

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev verkündete am Wochenende erneut Geländegewinne in Berg-Karabach: Die Armee habe die Ortschaft Madagiz eingenommen, die am strategisch wichtigen Sarsang-Stausee liegt. Aliyev habe dem Ort seinen historischen, aserbaidschanischen Namen zurückgegeben: „Sugovushan“. Auch sieben weitere Dörfer in den Distrikten Terter, Jabrail und Fuzuli seien eingenommen worden. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht.

Armenien wirft der Türkei vor, direkt an den Kämpfen beteiligt zu sein. „Es gibt 150 hochrangige türkische Offiziere, die die Militäroperationen Aserbaidschans leiten“, sagte der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan am Samstagabend in einer Ansprache. Der Bild-Zeitung gegenüber warnte Paschinjan, die Türkei sei nach hundert Jahren in die Region Südkaukasus zurückgekehrt, „um den Genozid an den Armeniern fortzusetzen, der im Herbst 1915 in der Türkei stattfand.“ (mit afp, dpa)

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