Gefechte um Berg-Karabach : Aus Propaganda wird Krieg
Um Berg-Karabach wurde schon einmal ein vollkommen sinnloser Krieg geführt. Armenien und Aserbaidschan betreiben eine verantwortungslose Propaganda.
Foto: Uncredited/Azerbaijan's Presidential Press Office/AP/dpa
E s ist nicht mehr auszuschließen, dass die Gefechte zwischen Aserbaidschan und Armenien rund um die armenische Enklave Berg-Karabach sich zu einem veritablen Krieg entwickeln. Seit nach dem Ende der Sowjetunion bereits einmal Krieg um das Gebiet geführt wurde, den Armenien gewann und das seitdem auch Gebiete rund um Karabach besetzt hält, die unzweifelhaft zu Aserbaidschan gehören, sinnt Aserbaidschan auf Rache.
Der Alijew-Clan, der Aserbaidschan seit Jahrzehnten diktatorisch regiert, hat den Konflikt immer genutzt, um den Nationalismus der Aseris anzustacheln und damit Unterstützung für das eigene Regime zu generieren. Das Geld aus den Ölverkäufen wurde für Waffenkäufe verschwendet, statt für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Jetzt scheint Alijew zum Opfer seiner eigenen Propaganda zu werden. Er muss mit einem Krieg liefern, was er seinem Volk versprochen hat.
Während Aserbaidschan immer unter der Knute des Alijew-Clans blieb, wechselten in Armenien häufig die Regierungen, doch eines blieb immer gleich: die Propaganda, dass Armenien in Karabach das heilige Christentum gegen die aserisch-türkischen muslimischen Barbaren verteidigt, die im Ersten Weltkrieg schon einmal einen Völkermord an den Armeniern verübt haben. Die Propaganda beider Seiten machte in den letzten 30 Jahren einen pragmatischen Kompromiss unmöglich.
Russland, das als einzige auswärtige Macht die Möglichkeit gehabt hätte, einen Kompromiss zu erzwingen, hat im Ernst überhaupt kein Interesse daran, weil der Konflikt seine militärische und politische Dauerpräsenz im südlichen Kaukasus zementiert. Die Türkei sieht dagegen in dem Konflikt die Möglichkeit, durch die Unterstützung des „aserischen Brudervolks“ selbst wieder einen Fuß in den Kaukasus setzen zu können. So könnte es Krieg geben um ein Stück Land, das eigentlich niemandem nutzt. Es ist landschaftlich schön, aber es ernährt seine Bewohner nicht, weshalb die jungen Leute auch scharenweise von dort weggehen. Es würde ein Krieg der ideologischen Verblendung.
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