KI-Einsatz im Streaming: Der Ton macht die Kunst
Der Film „Deadly Patient“ wurde wegen gnadenlos schlechter KI-Synchronisation von Amazon entfernt. Probleme sind damit nicht gelöst.
Was heißt „I should have died there“? „Ich sollte da gestorben haben.“ Zumindest laut einer KI-Synchronisation des Films „Deadly Patient“, der bis vor Kurzem noch auf Amazon Prime zu sehen war.
Die Künstliche Intelligenz produziert Dialoge wie: „Ich fahre da.“ – „Na, sehen wir uns?“ *Kuss* „Liebe dich.“ – „Ich weiß.“ – „Geh weg.“ Nach massiver Kritik und Spott entfernte Amazon „Deadly Patient“ und weitere Filme schließlich von der Plattform. Ein Problem weniger also? Ne.
Denn Streamingdienste wie Amazon sind längst von KI geflutet. KI-generierte Wallpapers, Bücher, Hörspiele und Filme finden ihren Weg auf die Plattformen. Nutzer:innen sind verärgert, weil sie mit ihrem Abonnement für Inhalte bezahlen, die offensichtlich kaum Qualitätsstandards erfüllen. Gleichzeitig zeigt der Fall „Deadly Patient“ ein weiteres Problem: Synchronsprecher:innen werden zunehmend durch KI ersetzt.
Einige Schauspieler:innen lassen ihre Stimmen bereits rechtlich schützen, um zu verhindern, dass sie ohne Zustimmung für KI genutzt werden. Gleichzeitig versuchen Plattformen, Verträge mit Sprecher:innen an die Erlaubnis zur Nutzung ihrer Stimme für KI-Training zu knüpfen. Die Debatte um KI-Synchronisationen ist deshalb auch eine Frage von dem Wert kreativer Arbeit. In der peinlichen Synchro von „Deadly Patient“ liegt daher auch ein Hoffnungsschimmer: Sie zeigt, dass KI weit davon entfernt ist echte Personen ersetzen zu können. Gute Synchronisation lebt von Interpretation, Timing, Emotion und schauspielerischer Leistung.
Wer herausragende deutsche Synchronisation sehen möchte, kann sich etwa den Gewinner des Deutschen Synchronpreises 2025 „Was ist schon normal?“ ansehen. Besonders bemerkenswert ist die deutsche Fassung auch, weil Menschen mit Behinderung daran als Sprecher:innen beteiligt waren.
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