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Insolvenzverfahren in BerlinVerband für E-Mobilität ist pleite

Die Gründe dafür dürften weniger im Misserfolg von E-Autos als bei internen Streitereien liegen. Die drei Verbandschefs sind schon lange verkracht.

Bernward Janzing

Aus Freiburg

Bernward Janzing

Der Bundesverband eMobilität (BEM) hat Insolvenz angemeldet, wie aus einer Veröffentlichung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg hervorgeht. Genauere Hintergründe der Zahlungsunfähigkeit des Vereins liegen bisher nicht vor. „Die Finanzlage ist völlig unklar“, schrieb am Montag ein Branchenportal. BEM-Vorstand Markus Emmert ließ eine Anfrage der taz unbeantwortet.

Hintergrund der Insolvenz dürften weniger die Branchenentwicklungen oder ein Misserfolg der Elektromobilität sein als vielmehr hausgemachte Turbulenzen. Bereits im Herbst 2023 hatten Medien von einer „Schlammschlacht“ unter den drei BEM-Vorständen berichtet, ehe der Verband im Frühjahr 2024 seinen Gründungspräsidenten Kurt Sigl aus dem Vorstand warf und dafür nicht einmal mehr die turnusgemäßen Neuwahlen abwartete.

Der Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Bochum, sagte auf Anfrage, es sei „bedauernswert, wenn ein Verband, der sich für Elektromobilität einsetzt, in Insolvenz geht“. Allerdings seien nach seiner Einschätzung „die Beiträge des Verbandes eher überschaubar“ gewesen. Offensichtlich hätten das auch einige Mitglieder so gesehen und dann ihre finanziellen Beiträge gekürzt.

In dem Interessenverband, der 2009 gegründet wurde, haben sich Betreiber von Ladeinfrastruktur, aber auch Automobilfirmen, Zulieferer, IT-Unternehmen und Dienstleister zusammengefunden. Offiziell spricht der BEM noch von 450 Mitgliedern, doch die Zahl dürfte veraltet sein, nachdem es in jüngster Zeit eine Austrittswelle gegeben haben soll.

Politisch stark vernetzt

Der Verein ist politisch stark vernetzt, in seinem parlamentarischen Beirat sitzen Vertreter von CDU, SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern. So wirbt der Lobbyverband damit, dass „Mitglieder des BEM direkten Zugang zu politischen Entscheidungsträgern“ hätten und damit „aktiv an der Gestaltung von Rahmenbedingungen mitwirken“ könnten. Damit sieht sich der BEM selbst „als Treiber einer ganzheitlichen Transformation“.

Wie es nach der Insolvenz mit der E-Auto-Lobby weitergeht, ist derzeit noch unklar. Man brauche eine starke Vertretung der Elektromobilität in Deutschland, sagte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, insofern seien „die internen Streitereien und die Insolvenz ein Jammer“.

Im Sinne der Mitglieder seien nun schnelle Lösungen nötig. Diese werde in den Händen des Berliner Rechtsanwalts Joachim Voigt-Salus liegen, den das Amtsgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt hat.

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