Indien und Pakistan : Die Spannungen sind zurück
Nach dem Terroranschlag in Kaschmir kündigt Indien ein Wasserabkommen mit Pakistan auf. Droht die Lage weiter zu eskalieren?
Foto: Akhtar Soomro/reuters
U S-Präsident Bill Clinton nannte die zwischen Indien und Pakistan umstrittene Grenze in Kaschmir 1998 „die gefährlichste Region der Welt“. Zuletzt war es dort ruhiger. Doch mit dem Terroranschlag auf Touristen am Dienstag sind die Spannungen zurück. Reflexartig und ohne Beweise vorzulegen, beschuldigt Indien den Nachbarn Pakistan, hinter dem Massaker mit 26 Toten zu stecken. Das mag sein, auch wenn Pakistan dementiert, schließlich entspräche dies der früheren Taktik seines Militärs einer kontrollierten Eskalation mittels eingeschleuster Kämpfer. Islamabads Generäle haben aus innenpolitischem Gründen nichts gegen außenpolitische Spannungen. Delhi muss reagieren, macht es sich aber zu leicht, zudem stehen seine Politiker unter dem Druck ihrer eigenen scharfen Rhetorik. Dabei sind ihre Optionen sehr begrenzt, sonst könnte ein Atomkrieg drohen.
2019 hatte Indien nach einem Pakistan zugeschriebenen Terroranschlag sogar Kampfjets über die Kaschmir-Grenze geschickt und ein angebliches Terrorausbildungslager bombardiert. Beobachter werteten das als Schlag ins Nirgendwo, umgekehrt gelang es Pakistan, einen indischen Jet abzuschießen, dessen Pilot bald freikam. Beide Seiten hatten gesichtswahrend ihren Punkt gemacht, aber nicht mehr weiter eskaliert.
Auch Indiens jetzige Ausweisung pakistanischer Diplomaten und Staatsbürger, die Islamabad ähnlich beantwortete, sowie Delhis Suspendierung des Indus-Wasservertrags mit Islamabad sind erst einmal symbolisch. Der Wasservertrag, der 1960 nach neunjährigen Verhandlungen zustande kam und seitdem alle Kriege gegeneinander überdauert hat, ist der wichtigste bilaterale Vertrag. Ohne ihn könnte Delhi theoretisch Pakistan das Wasser abstellen – ein Spiel mit dem Feuer. Aber das geht nicht von heute auf morgen, dazu braucht Indien Dämme zur Umleitung oder Aufstauung.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Die Suspendierung, die schon nach früheren Pakistan zugeschriebenen Anschlägen diskutiert, aber nie umgesetzt worden war, ist eine Eskalation. Zum Glück nicht militärisch und erst einmal nur ein Fingerzeig, den Pakistan bei Umsetzung „Kriegsakt“ nennt. Doch passt dies für Delhi zu einem Streit um zwei im Bau befindliche Wasserkraftwerke an Nebenflüssen in Indien, bei denen Pakistan vertraglich ein Mitspracherecht hat und bereits protestierte. Bisher konnten sich beide nicht einigen, was Indien jetzt umgehen kann. Doch darauf dürfte wiederum Pakistan reagieren, schließlich wird es nach Islamabads Lesart zu Unrecht bestraft. Die Gefahr einer Eskalation bei dieser sorgsam gepflegten Feindschaft bleibt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert