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Im Regen am MaybachuferHigh und heiser

Ohne Stimme auf dem Flohmarkt verkaufen wollen, ist ambitioniert. Für echte Gespräche reicht es mitunter trotzdem.

Am Samstag startete ich in meine Flohmarkt-Verkauf-Saison etwas holprig: Nicht nur Regen war für den Nachmittag gemeldet, sondern auch meine Stimme war am Morgen plötzlich weg. Ich war erkältet und jetzt auch noch heiser. Wie sollte ich ohne Stimme verkaufen, schoss es mir durch den Kopf. Ich überlegte, meiner Freundin abzusagen, aber nein, das konnte ich nicht bringen. Schließlich fieberten wir schon so lange unserer Flohmarkt-Saison entgegen und auch meine Freundin würde niemals leichtsinnig absagen. Und erst recht nicht so kurzfristig.

Aber war die fehlende Stimme noch Leichtsinn? War es nicht vielmehr schwersinnig, nein irrsinnig, einen ganzen Flohmarkttag ohne Stimme bestreiten zu wollen? Egal, ich schälte mich aus dem Bett und machte mir zum Frühstück einen frischen Ingwertee mit Zitrone und Honig, der aber leider nichts brachte: Meine Stimme blieb weg. Na ja, nicht ganz, ich konnte noch ein bisschen flüstern, immerhin.

Auf dem Flohmarkt am Maybachufer war trotz des mäßigen Wetters viel los, das Geschäft florierte, auch wenn mir es fehlte, mit den Leuten, die an unserem Stand stehenblieben, ein paar Sätze zu wechseln. So beschränkte sich die Konversation leider auf das Mindeste: Preis nennen, verhandeln, danke und tschüss sagen.

Am Nachmittag setzte der angekündigte Regen ein. Kein frühlingshafter Nieselregen, sondern fieser Starkregen, bei dem nur die krassesten Flohmarktgänger blieben. Irgendwann blieb eine junge Frau vor unserem Stand stehen. Ihr Blick blieb an einem Jumpsuit von mir hängen, der mit seinem Muster etwas Psychedelisches hatte. „Wow, what a great fabric!“, rief sie. „Ja, schöner Stoff“, krächzte ich. Dann schaute sie mich an: „Sorry, I’m high.“ Ich musste lachen, krächzte: „Und ich bin heiser.“ Bestimmt dachte die Frau, ich wäre auch gerade wie sie aus einem Elektroclub gepurzelt.

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