Hohe Inflation in Deutschland: Unterstützt die Finanzschwachen!

Die persönliche Inflation kann höher ausfallen als die offizielle Rate. Rabatte bringen nichts – die Bedürftigen müssen gezielt unterstützt werden.

Eine Frau trägt eine bunte Einkaufstasche, Detailaufnahme

Einkaufen ist deutlich teurer geworden Foto: Michael Gstettenbauer/imago

Selten haben Zahlen des Statistischen Bundesamts die Allgemeinheit so beschäftigt wie zuletzt. Die Wiesbadener liefern monatlich einen Beweis dafür, was jeder Verbraucher bereits beim Einkaufen gemerkt hat: Es wird teurer, und das nicht zu knapp. Im April kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 7,4 Prozent mehr als vor einem Jahr – der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Er beeinflusst nicht nur unser Kaufverhalten, sondern auch die anstehenden Tarifverhandlungen. Und er ist ein weiteres Signal an die Europäische Zentralbank, die Politik des billigen Geldes endlich zu beenden.

Es wird nur sehr wenige Menschen geben, die tatsächlich 7,4 Prozent mehr ausgeben müssen – denn die Zahl ist ein Durchschnittswert. Weil sich allein Nahrungsmittel um 8,6 Prozent verteuerten, kann die persönliche Inflationsrate auch höher sein. Das gilt für alle, die besonders viel tanken müssen, weil Sprit um 38,5 Prozent zulegte.

Die Statistiker sehen sich für die offizielle Inflationsrate die Preise von rund 650 Produkten an – von Brot und Brokkoli über Festplatten und Haarschnitt bis Hausratversicherung und Benzin. Aus der Veränderung berechnen sie die Teuerungsrate, wobei Strom ein höheres Gewicht hat als Eier: Größter Preistreiber ist Energie. Inzwischen kosten auch Lebensmittel mehr, unter anderem, weil Energie so teuer ist.

Die seit Monaten hohe Inflation verheißt auch für Deutschlands Unternehmen wenig Gutes. Denn die Gewerkschaften haben bereits angekündigt, bei den kommenden Tarifrunden höhere Löhne durchsetzen zu wollen. Das Plus soll die Inflation aufwiegen. Das ist gut für die Beschäftigten, kann sich aber rächen: Denn die Kosten der Unternehmen steigen. Sie werden versuchen, ihrerseits die Preise anzuheben, was wiederum die Inflation treibt.

Auch im Euroraum ist die Inflation hoch

Auch im Euroraum liegt die Inflation weit über jenen 2 Prozent, die die Europäische Zentralbank als gut erachtet. Bisher hat sie vermieden, den Leitzins deutlich anzuheben. Die Sorge ist groß, den zarten Aufschwung in den EU-Mitgliedstaaten so wieder abzuwürgen. Die hohen Inflationswerte zwingen die EZB jetzt aber, doch zu handeln. Zumal die US-Notenbank Fed zuletzt die Zinsen kräftig angehoben hat und weitere Schritte ankündigte.

Die hohen Energiepreise wird das nicht nachhaltig senken. Auch der Versuch der Bundesregierung, Sprit per staatlichen Rabatt zeitweise zu verbilligen, wird verpuffen. Eine Lösung wäre, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Weil sich das nicht abzeichnet, bleibt der Bundesregierung nur, diejenigen, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen, finanziell zu unterstützen.

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