Hilfe aus Moskau für Lukaschenko: Glasnost für Belarus

Wenn Lukaschenko in Not gerät, stehen russische Sicherheitskräfte bereit, sagt Präsident Putin. Die brutale Offenheit hat auch ihr Gutes.

Putin und Lukaschenko beim Eishockey

„Ich will auch so 'nen Schnauzer“: Putin und Lukaschenko Foto: dpa

Als hätte Russlands Präsident Wladimir Putin nicht schon genug Probleme am Hals: Demonstrierende Untertan*innen im sibirischen Chabarowsk, die partout nicht verstehen wollen, dass ihr Gouverneur zu Recht in Moskau im Knast sitzt. Militärische Streifzüge in Syrien, Libyen und der Ukraine, deren Nutzen sich immer weniger Russ*innen erschließt. Und frostige Beziehungen zum Westen, der überraschenderweise den Einsatz von Gift für kein legitimes Mittel in politischen Auseinandersetzungen hält.

Doch der Mann der Superlative hat offensichtlich noch mehr im Köcher. Nach einem Hilferuf aus Minsk lässt sich Putin nicht länger bitten. Er ist bereit, auch noch seinem belarussischen Bruder Alexander Lukaschenko Nachbarschaftshilfe zu leisten. Der ungeliebte Verwandte ist bis jetzt nicht in der Lage, in seine widerspenstigen Landsleute ein „richtiges“ Verständnis von Wahlarithmetik hineinzuprügeln.

An dem Charakter der Handreichung aus Moskau besteht kein Zweifel. Er habe Sicherheitskräfte bereitgestellt, sagte Putin in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender Rossija-24. Offensichtlich hält der Kremlchef so viele geschulte Fachkräfte vor, dass er einige davon problemlos für einen weiteren Auslandseinsatz abstellen kann.

Da sage mal einer, der Kremlchef habe aus der Vergangenheit nichts gelernt. Vorbei sind die Zeiten, als „grüne Männchen“ (Militärs ohne Hoheitsabzeichen) über die Krim marodierten, um Recht und Ordnung sowie historische Gerechtigkeit wieder herzustellen. Auch braucht es diesmal keine russischen Soldaten, die ihren Urlaub inkognito in einem Schützengraben im Donbass verbringen. Dazu kommt noch, dass, anders als im Fall der Ukraine, diesmal ja auch ein Einladungsschreiben vorliegt. Also alles ganz offen – Glasnost eben.

Mit der Transparenz ist das so eine Sache. Nebulös bleibt, wann der Marschbefehl erfolgt. Wenn die Situation außer Kontrolle gerät und extremistische Elemente bestimmte Grenzen überschreiten, wie administrative Gebäude besetzen, schwiemelte Putin. Häh?

Extremistische Elemente braucht niemand aufzuspüren, die Straßen sind ja voll von ihnen. Und ein paar Agents Provocateurs, die eine Behörde außerhalb der Sprechzeiten besuchen, dürften sich finden lassen. Das alles klingt ganz so, als sei das Sturmgepäck vorbereitet. Das einzig Gute daran: Wenn in Belarus wieder alles beim Alten ist, kann niemand später behaupten, er oder sie habe das nicht kommen sehen.

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Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.

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