Haze’evot in Berlins lautester Platte: Alles okay, Mama?
Die israelische Band Haze’evot machte im Berliner Orwo-Haus halt. Die fünf Frauen, die an radikale Veränderung von unten glauben, rockten das Haus.
Foto: Clydell Heidrich
Haze’evot haben viel Spaß auf der Bühne. Obwohl die klein ist, tanzen und springen die drei Frontfrauen der Band wild auf und ab, was ihrer präzisen, energischen und gutgelaunten Musik entspricht. Irgendwann klettert die Bassistin auf das Drumkit ihrer Kollegin und spielt dort weiter. Nicht alle ihre Songs sind Punk, ihre Attitüde allemal.
Hinten links steht cool die Rhythmusgitarristin mit Sonnenbrille, die sich aber das Lächeln auch nicht verkneifen kann, während die Keyboarderin und die zweite Gitarristin, die manchmal ihre Rollen tauschen, viel gemeinsam lachen. Es macht Spaß, dieser Band zuzuschauen, die dermaßen viel positive Energie ausstößt.
Wir befinden uns im Orwo-Haus, an einem Mittwochabend, in Berlin-Marzahn. Das Orwo-Haus könnte sich auch in einer Plattenbausiedlung am Rand von Warschau oder Sofia befinden und ist laut Selbstauskunft „die lauteste Platte Berlins“. Wer vor dem Konzert ankommt, hört mehrere Bands proben. Die einstige Betriebsstätte des Film-, Tonband- und Kassettenherstellers aus der DDR beherbergt knapp 100 Proberäume, mehrere Tonstudios und Veranstaltungsräume. Und es finden Konzerte von Bands wie Haze’evot statt, die derzeit auf einer Tour durch Deutschland und die Schweiz unterwegs sind.
Wo Hoffnung ist, sei alles möglich
Manchmal gehen ihre Stücke direkt ineinander über. Zwischendurch machen sie launige Ansagen, wie vor ihrem Song über die Yogalehrerin. Sie erzählen auch, dass sie eben in Chemnitz beim Musikmeile-Festival gespielt haben, wo sie eine Woche lang an ihren Stücken feilen konnten. Auf dem Festival haben sie Workshops gemacht und eine FLINTA*-Jamsession organisiert.
Weil sie eine Band aus Israel sind, werden sie in Europa manchmal aufgefordert, Statements abzugeben, die ihnen selbst zu unterkomplex sind. Daher erklären sie sich auf der Orwo-Bühne auch zu dem Konflikt, der ihr Leben bestimmt: Wo Hoffnung ist, sei alles möglich, auch eine große Veränderung, sagt eine der fünf. Die komme nicht von oben, sondern von unten, von Leuten wie denen, die hier zusammengekommen seien und sich für Freiheit, Humanität und Frieden einsetzten. Die Revolution fange im Bewusstsein an – darin, wie man denkt, spricht und handelt.
Später wird die Mutter einer der Frauen begrüßt, die heute Abend an der Bar sitzt: „Alles okay, Mama? Willst du auf die Bühne kommen?“ Die antwortet: „Sicher nicht.“ Am Schluss drehen Haze’evot noch mal richtig auf, es wird psychedelisch. Die Bassistin trommelt nun auch mit, trägt die Standtrommel dann ins Publikum und macht weiter. Das furiose Finale geht direkt in das DJ-Set über: „I don’t care, I love it.“ Haze’evot tanzen mit ihren 90s bitches, wir holen uns noch ein Bier.
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