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HBO-Serie „The Pitt“Emergency Room im Turbomodus

Der Streamingdienst HBO Max startet in Deutschland. Deren rasante Serie „The Pitt“ erzählt eine 15-Stunden-Schicht in der Notaufnahme fast in Echtzeit.

Noah Wyle (l.) in „The Pitt“ Foto: Warrick Page/hbo

An diesem Dienstag startet in Deutschland die Streamingplattform HBO Max, die gemeinhin für Qualitäts-Serien steht und damit in den vergangenen Jahren so viele Preise eingeheimst hat wie kein anderer Sender. Zum Auftakt in Deutschland gibt es zwei Serien-Aushängeschilder. Einmal das „Game of Thrones“-Prequel „A Knight of the Seven Kingdoms“, das ab 18. 1. zu sehen ist. Zum Start gibt es mit „The Pitt“ außerdem eine zigfach prämierte Krankenhaus-Serie, die in 15 fast einstündigen Episoden eine 15-stündige Arbeitsschicht in einer Notaufnahme in Pittsburgh quasi in Echtzeit erzählt.

Ausgerechnet Noah Wyle, der in der stilprägenden Krankenhaus-Serie „Emergency Room“ den jugendlichen Sympathieträger Dr. Carter gab, spielt hier die Hauptrolle. „Wir riskieren jeden Tag unser Leben, wenn wir hier zum Arbeiten kommen“, sagt er als Oberarzt Dr. Michael „Robby“ Robinavitch zur Krankenhausmanagerin, die ihm fortwährend im Nacken sitzt und höhere Effizienz einfordert. Zwischen psychotischen Cracksüchtigen, schwangeren Teenagern, deren autoritäre christliche Müttern Krawall machen, und fluchenden Bauarbeitern mit blutspritzenden Wunden wuseln die völlig überarbeiteten Mitarbeiter herum und verwalten den medizinischen wie gesellschaftlichen Notstand.

Die Notaufnahme als Brennglas der Krise im Gesundheitssystem trendet gerade in Serien wie „Atemlos“ (Netflix) und „Krank“ (Apple TV). Die Beziehungen der Krankenhausmitarbeiter spielen zwar auch eine zentrale Rolle, gehen aber im hohen Tempo medizinischer Notfälle fast unter. Da geht es um queeres Begehren, Karriereträume, Klassenschranken und jede Menge unverarbeiteter Traumata.

Oberarzt Robby kommt mit seinen albtraumhaften Erinnerungen an die Covid-Pandemie nicht klar. Dabei geht es um große Emotionen, Schmerz, Verlustangst, Rassismus und jede Menge medizinischer Notfälle von Parasiten im Gehirn über spektakuläre Knochenbrüche bis hin zum banalen Herzinfarkt.

Zeitgemäße Krankenhaus-Seifenoper

Im Vergleich zum Klassiker „ER“ ist „Pitt“ wie eine Turbo-Version. Nach vier Episoden, die in anderen Serien das Geschehen von ein paar Tagen erzählt hätten, ist es hier gerade mal 11 Uhr vormittags. Bis dahin wird nebenbei eine Notfall-Ambulanz geklaut, Ratten laufen durch die Notaufnahme, lang wartende Patienten rasten aus und mittendrin schaffen Pflegekräfte und Ärzte irgendwie noch den Raum, sich angemessen um Patienten zu kümmern, für die nicht selten wegen einer Diagnose die Welt einstürzt.

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„Pitt“ ist eine rasante, zeitgemäße Krankenhaus-Seifenoper mit tollen Schauspielern, die vor allem von der Arbeitsüberlastung in der Notfallmedizin erzählt. Die Ärzte sind keine Helden, sondern knallharte Malocher, die alle ihre eigenen Probleme haben. Eine Notfallmedizinerin arbeitet sogar mit Fußfessel. „Die soll aber bald runter“, versichert sie einer staunenden Patientin.

Im Zuge der Corona-Pandemie, die hier in Rückblenden auch Thema ist, hat sich eine ganz neue Art von Wertschätzung für die Arbeit von medizinischem Personal entwickelt. Diesen Respekt transportiert die Serie gekonnt. Die brandneue zweite Staffel von „The Pitt“, in der unter anderem das Computersystem in der Klinik zusammenbricht, startet zeitgleich mit der Ausstrahlung in den USA mit einer ersten Folge.

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