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HBO Miniserie „Chernobyl“.Aufräumen in Trümmern

Die Miniserie „Chernobyl“ geht weit über ein klassisches Katastrophendrama hinaus. Gezeigt wird nicht weniger als der Untergang eines Staates.

In Tschornobyl passierte 1986 die Katastrophe. Aber das Kernkraftwerk explodierte nicht aus dem Nichts, sondern es gab strukturelle Fehler und Missstände, die die Explosion überhaupt erst möglich gemacht haben. Davon erzählt die HBO Miniserie „Chernobyl“.

Vom ersten Moment wird die Explosion des Reaktors begleitet, und obwohl man aus heutiger Perspektive weiß, wie tragisch die Ereignisse enden, findet man sich in der unmittelbaren Gegenwart der Beteiligten wieder. Zu Beginn versuchen etwa Feuerwehrmänner den Brand der Explosion zu löschen und baden dabei unwissend in radioaktiver Strahlung.

Während der Protagonist, Wissenschaftler Valery Legasow, verzweifelt versucht, Aufmerksamkeit vom Staat zu gewinnen, zeigt sich das Problem: Denn eine solche Katastrophe, ein eventuell fehlerhaftes Werk oder fahrlässige Verantwortliche durfte es in der Sowjetunion nicht geben.

Grafische Darstellung eines AKW-Kühlturms, aus dem eine Wolke mit einem Radioaktivitätssymbol kommt.
40 Jahre nach dem Super-GAU in Tschornobyl

Am 26. April 1986 kam es im ukrainischen, damals sowjetischen Tschornobyl (russisch Tschernobyl) zum Super-GAU. Eine radioaktive Wolke verseuchte große Teile Europas. 40 Jahre später blickt die taz in einem Schwerpunkt zurück und nach vorn. Die taz verwendet bei ukrainischen Orten grundsätzlich die Schreibweise in Landessprache, nicht die russische – so auch bei Tschornobyl.

So stößt Legasow, immer wieder an die Grenzen des Systems, das sich nach außen hin als unantastbar gibt und auf Gehorsam und Hierarchie beruht.

Leben austauschbar

Parallel dazu zeichnet die Serie das Bild einer Gesellschaft, die gelernt hat, unter extremen Bedingungen wie Krieg, Hungersnöten und politischen Umbrüchen zu existieren. Man merkt in der Serie, dass die Gesellschaft unter den Umständen einfach funktionieren muss und für Angst und Trauer oft keine Zeit ist.

Das eigene Leben erscheint austauschbar gegenüber dem Allgemeinwohl. Über 600.000 Menschen werden fast ungeschützt zur Eindämmung der Katastrophe eingesetzt, als Kollateralschaden. In der Serie werden diese realen Ereignisse in ein düsteres Setting gesetzt.

In mehreren Zeitsprüngen versteht man langsam das Ausmaß der Geschichte. Allgegenwärtig bleibt dabei das Gefühl, gegen etwas anzukämpfen, das man weder sehen noch vollständig verstehen kann. Die Strahlung ist Metapher für eine unsichtbare Bedrohung und für ein System, das sowohl Ursache als auch Grund für den Fortbestand dieser Katastrophe ist.

„Chernobyl“

5 Folgen, HBO Max

Die Serie greift somit nicht nur die Katastrophe auf, die im Nachhinein auch als ein Sargnagel der Sowjetunion gedeutet wird, sondern zeigt auch einige fundamental problematische Dynamiken dieses Staates auf.

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