Gruppe D: Argentinien – Island: So stehen die Gauchos
Argentinien 1, Island 1 und Lionel Messi verschießt einen Elfmeter. Immerhin: Die Debatten um den Videobeweis können beginnen.
Die Voraussetzungen: Mit Island greift jetzt der internationale Pumuckl ins WM-Turnier ein. Das Team also, das jeder knuddeln will, weil es bei der EM 2016 die Großen stolpern ließ und das Bedürfnis nach einem frechen, liebenswerten, wackeren Underdog kolossal befriedigt. Schwupps, da ist die Feile weg, wer hat die wohl weggesteckt?
Die Gesellschaft zersplittert, auf Island kann man sich einigen. Dieser Tage schreibt jeder, das Land habe etwa so viele Einwohner wie Bielefeld; zum Wikinger-Hu-Mythos kommen also noch irgendwie ostwestfälische Heimatgefühle. Und wahrscheinlich wird der Bahnhof von Reykjavik nachts noch nicht mal abgebaut.
Pumuckl mit Hörnerhelm trifft auf den amtierenden Vize-Weltmeister Argentinien, der verdient hätte, mehr zu sein als immer nur Messi, aber immer nur Messi ist. Lionel hat seit 2014 eine Justin-Bieberesque Wandlung durchgemacht, vom braven Zwerg-Genie zum verruchten Star mit vielen Tattoos, wildem Bart und grellen Anzügen. Zwischendurch trat er aus der Nationalelf zurück, machte dann den Rücktritt vom Rücktritt. Jetzt will er Weltmeister werden. Back again.
Das Ergebnis: 1:1 (1:1)
Empfohlener externer Inhalt
Das Spiel: Schon in den ersten zehn Minuten mehr Entertainment als in der gesamten Vorpartie. Ein wildes Hin und Her. Argentinien fädelt sein Kombinationsspiel durch die isländischen Blöcke wie ein flinker Schneider mit langem Geduldsfaden, Kun Agüero haut dann brachial zum 1:0 rein. Island spielt zunächst besseren Fußball, als man ihnen oft zugesteht. Zur Halbzeit ein verdientes 1:1, nach Ausgleich des Augsburgers Finnbogason.
Argentinien mit leichten Vorteilen, aber die -sons nehmen ihnen die Butter vom Steak. In der zweiten Hälfte wird es unansehnlicher. Island rührt nur noch Beton. Kaum ein Durchkommen für die Argentinier. Messi verschießt einen Elfmeter, Wahnsinn. Augsburger und Sandhausener zwingen Barcelona in die Knie. So schön und grausam kann Defensivfußball sein.
Empfohlener externer Inhalt
WM 2018 Gewinnerprognose

Wer gewinnt die WM 2018 in Russland? Frederic Valin hat sich alle Teams der WM angeschaut. Seine Prognosen finden Sie auf dieser Karte.
Die Spieler des Spiels: Die Einwürfe von Gunnarsson sind so lang und weit wie zu EM-Zeiten, vielleicht wirft er daheim über Fjorde? 2016er-Nostalgie kommt auf. Und ein großer Messi kann Argentinien wieder mal nicht retten. Diesmal auch selbstverschuldet.
Die Szene des Spiels: Argentinien wird ein klarer Elfmeter verweigert. Kein Video-Schiedsrichter meldet sich. Das ist die erste Diskussion zum Videobeweis.
Und nun? Nach Frankreich steht der nächste Titelkandidat mit dem falschen Fuß auf. Und Island schreibt das Vorwort fürs nächste Märchen. Titel: Moskau, wild und geheimnisvoll. Wird das eine WM der mauernden Kampfzwerge?
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt