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Grüne verteidigen BildungsreformNiedersachsen beim Dividieren geteilter Meinung

Von 2027/28 an lernen Grundschüler in Niedersachsen anders, Zahlen zu teilen. CDU und AfD blasen zum Kulturkampf.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg, hier im Oktober 2022 in Hannover Foto: Michael matthey/dpa

dpa | Die Änderungen beim Dividieren an Niedersachsens Schulen sorgen weiter für Streit: Im Landtag kritisierten sowohl die CDU als auch die AfD die Umstellung scharf. Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg verteidigte die Reform dagegen.

„Was mich ärgert, ist, dass suggeriert wird, wir würden die schriftliche Division abschaffen. Das tun wir nicht“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr kämen Elemente hinzu, die das sichere Erlernen der schriftlichen Division in der weiterführenden Schule gewährleisteten.

Mit der ab 2027/28 greifenden Änderung wird an den Grundschulen hauptsächlich das sogenannte halbschriftliche Dividieren gelehrt, bei dem die Zahlen in übersichtlichere Teilzahlen zerlegt und dann geteilt werden. Die klassische Division wird dafür erst verbindlich ab Klasse 5 unterrichtet.

Grundstein für Nobelpreisträger aus Niedersachsen?

„Wir reduzieren keine Standards, sondern wir steigern das Verständnis“, betonte Hamburg. „Ich gehe fest davon aus, dass die Kinder dadurch besser in Mathe werden.“ Die Schülerinnen und Schüler würden sicherer kopfrechnen können und auch eigene Lösungswege für mathematische Probleme finden. „Damit legen wir den Grundstein, dass Kinder später auch richtig hochspringen und im Studium ganz neue eigene Modelle entwickeln können und vielleicht sogar mal einen Nobelpreis gewinnen.“

CDU sieht Abkehr von Leistungsgesellschaft

Die Opposition sieht das ganz anders. Sophie Ramdor von der CDU beklagte eine generelle Abkehr von der Leistungsgesellschaft. „Wenn das Ministerium weiter eine Welt für die Kinder erschafft, in der ihnen nichts mehr zugetraut wird, in der nicht zugelassen wird, dass sie sich anstrengen und über sich selbst hinauswachsen können, dann wird es in Zukunft keine Spitzensportler, keine Innovation mehr aus diesem Land geben“, sagte sie.

Der AfD-Abgeordnete Harm Rykena sagte, früher sei das Erlernen der schriftlichen Division für die meisten Schüler möglich gewesen. „Immer problemlos? Sicherlich nicht. Aber die Schüler haben damit schon in der Grundschule gelernt, sich durch ein schwieriges Projekt zu kämpfen.“

SPD: Division wird zum Kulturkampf aufgeblasen

Rykena sprach weiter von einer „weichgespülten grünen Pädagogikwelt“, in der solche Anforderungen lieber ausgeblendet würden.

Allerdings ist die neue Vermittlung der Division kein grünes Projekt: Die Anpassungen orientieren sich an den Bildungsstandards der Länder, wie sie die Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegt hat. Auch mehrere Experten sprachen sich dafür aus. Neben Niedersachsen haben der Landesregierung zufolge bereits fünf weitere Länder die Änderung angeschoben.

Darauf verwies auch der SPD-Abgeordnete Thore Güldner. Er kritisierte, eine gemeinsame Vereinbarung werde nun „zu einem Kulturkampf aufgeblasen“.

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