Holocaust-Gedenken: Mehr Bildung durch Tiktok
Auf „Shoahstories“ sammelt das Anne Frank Zentrum Videos zum Holocaust, um Jugendliche für das Thema zu interessieren. Funktioniert das? Ein Selbsttest.
Am 27. Januar ist der internationale Gedenktag zum Holocaust. Das Anne Frank Zentrum in Berlin-Mitte hat zu diesem besonderen Tag die Website shoahstories.video gestartet. Dort findet man eine Sammlung von Tiktok-Videos von Holocaust-Überlebenden, Gedenkstätten oder Organisationen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Das Anne Frank Zentrum sagt, sie möchten, dass sich Kinder mehr mit dem Holocaust beschäftigen sollen oder auch überhaupt wissen, was unter den Nazis passiert ist.
Als Schüler einer 7. Klasse frage ich mich jetzt, wie Kinder oder Jugendliche auf solche Videos reagieren und ob sie ihr Interesse für das Thema wecken.
Manche der Videos sind mit Gidon Lev. Der 90-jährige Holocaust-Überlebende ist mit seinem Tiktok-Account „TheTrueAdventure“ bekannt geworden. In einem Video ist er zu Besuch in Berlin und erzählt, dass er die Stadt schön findet. In anderen Videos sieht man ihn bei Kongressen, wo er Kindern und Jugendlichen seine Geschichte erzählt.
Da sagt er zum Beispiel: „An einem Tag, als ich noch ganz klein war, da ging ich mit meinem Großvater spazieren. Und da war ein Spielplatz mit einer Schaukel und ich rannte hin. ‚Schaukel! Schaukel!‘ Und mein Großvater meinte ‚nein, nein, nicht da draufgehen. Da steht Juden Verboten.‘“ Die Videos haben mich berührt und ich hätte gerne noch mehr über ihn erfahren.
Wie finde ich dorthin?
Es gibt auch Videos von Gedenkstätten wie das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen auf „Shoah Stories“, Institutionen wie das Johannesburg Holocaust Centre oder das Warschauer Ghetto Museum haben sich auch beteiligt. Die Website wird offiziell von Tiktok, der Alfred Landecker Stiftung, der Hebrew University of Jerusalem und anderen Organisationen unterstützt. „Shoah Stories“ bietet auch Hilfestellungen für Lehrerinnen und Lehrer, die zum Beispiel Geschichte oder Politische Bildung unterrichten.
Das Anne Frank Zentrum schreibt auf der Webseite: „Für viele junge Menschen sind Kurzvideos die Hauptquelle für Nachrichten, Bildungsinhalte und historisches Wissen“. Dies ist tatsächlich laut Studien belegt. Aber ich frage mich: Wie kommen die Jugendlichen auf die Website „Shoah stories“? Sie sind ja auf Tiktok unterwegs. Aber dort gibt es keinen Account, der auf die Shoahstories hinweist.
Edgar Hickethier ist 12 Jahre alt, geht in die 7. Klasse und ist zur Zeit Schülerpraktikant in der Berlin-Redaktion der taz
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert