Grüne fordern Prämie für Lastenräder: 1.000 Euro Zuschuss fürs Cargobike

Auch beim klimafreundlichen Warentransport wird für die letzte Meile oft ein Auto gebraucht. Lastenräder wären ein guter Ersatz, finden die Grünen.

Ein Teilnehmer des 2. Internationalen Lastenradrennens fährt mit seinem Lastenfahrrad auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Umweltfreundlichen Transportmittel: Die Grünen fordern einen Zuschuss für Lastenräder Foto: Gregor Fischer/dpa

BERLIN taz | Die Grünen im Bundestag fordern ein groß angelegtes Förderprogramm für Lastenräder. Damit wollen sie innerhalb von vier Jahren eine Million der umweltfreundlichen Transportmittel auf deutsche Straßen bringen. Das würde den Bund jährlich 250 Millionen Euro kosten.

Neu ist die Forderung der Grünen nach einem solchen Programm zwar nicht, im Bundestagswahljahr hat sie aber ein besonderes Gewicht: Sollten die Grünen wie vielfach erwartet ab Herbst mit der Union regieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie das Verkehrsministerium besetzen. Dann werden sie sich an ihren Forderungen aus Oppositionszeiten messen lassen müssen.

„Lastenräder spielen bei der Verkehrswende eine wichtige Rolle“, sagt der radverkehrspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Stefan Gelbhaar. Das gilt vor allem, wenn sie über einen E-Motor verfügen, denn damit steigen Reichweite und Transportkapazität. „Viele Handwerkerinnen und Kleinunternehmer könnten ihre Dienstleistungen und Fahrten auch mit E-Lastenrädern anbieten“, ist Gelbhaar überzeugt. „Aber für sie gibt es zu wenig Fördermittel“, sagt er.

Lastenräder, auch Cargobikes genannt, ermöglichen den umweltfreundlichen Transport direkt zu Abnehmer:innen. Denn auch wenn Waren sonst mit der Bahn befördert werden, wird für die sogenannte letzte Meile in der Regel ein Lieferauto eingesetzt. Lastenräder würden nicht nur Umwelt und Klima schonen, sondern auch die staugeplagten Innenstädte entlasten. Außerdem sind Cargobikes für Privathaushalte eine Alternative zum Pkw, etwa um große Einkäufe oder Kinder zu transportieren.

Landesgelder sind schnell weg

Bislang fördert die Bundesregierung die Anschaffung von Lastenrädern nur mit einem Miniprogramm, das im Bundesumweltministerium angesiedelt ist. Einer Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler zufolge hat das Haus von Ministerin Svenja Schulze (SPD) im ver­gangenen Jahr gerade mal den Kauf von 365 Lastenrädern mit insgesamt 727.000 Euro unterstützt.

Das ist ein Armutszeugnis, findet Kindler. „727.000 Euro Fördermittel sind ein schlechter Witz und bringen keine Verkehrswende.“ Die Hürden für Antragsteller sind hoch, bezuschusst werden nur gewerbliche Nut­ze­r:in­nen und sogenannte ­E-Schwerlasträder.

Die Grünen wollen, dass der Bund ein Förderprogramm sowohl für gewerbliche als auch für private In­ter­es­sen­t:in­nen auflegt. Käu­fe­r:in­nen von Lastenrädern sollen 1.000 Euro des Preises erstattet bekommen. Einfache Lastenräder gibt es ab rund 1.500 Euro, E-Modelle ab 2.200 Euro. Je nach Ausstattung und Leistung steigt der Preis teilweise erheblich. Das Förderprogramm soll nach Vorstellungen der Grünen auch nicht im Bundesumweltministerium, sondern im Bundesverkehrsministerium angesiedelt werden. Außerdem müssten der Bund, die Länder und die Kommunen die Infrastruktur für Räder ausbauen, fordert Kindler.

Etliche Länder und Kommunen bieten zwar bereits Förderprogramme für Lastenräder. Diese Programme sind aber, wie etwa in Baden-Württemberg, Hessen oder Hamburg geschehen, oft sehr schnell ausgeschöpft. Wie in Brandenburg richtet sich in den meisten Ländern die Förderung nur an Firmen, Vereine oder Selbstständige. In Bayern, Mecklenburg-Vorpommern oder Rheinland-Pfalz gibt es zum Beispiel keine Förderung von Lastenrädern auf Landesebene, teilweise aber von Kommunen. Der Bund könne mit einem eigenen langfristigen Programm mehr Verlässlichkeit bei der Förderung herstellen, argumentieren die Grünen.

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