Gründung der AfD-Jugend in Niedersachsen: Kaderschmiede für die Remigration
In Niedersachsen hat sich ein Landesverband der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gegründet. Er ist so radikal wie seine Vorgängerin.
D as Kalkül der AfD geht nicht auf: Trotz der Landflucht der Landeszentrale in die niedersächsische Provinz haben am vergangenen Samstag über 300 Menschen vor der Parteizentrale im Dötlinger Ortsteil Brettorf demonstriert. Im Landkreis Oldenburg, über 120 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt, fand im Saal des ehemaligen Gasthofes Schützenhof Schürmann die Gründung des Landesverbandes der Generation Deutschland (GD) statt. Der Neustart des AfD-Jugendverbandes begann so, wie auch schon die aufgelöste Vorgängerin Junge Alternative (JA) agiert hatte: Die Presse war unerwünscht.
Im Saal kamen an die 100 AfD-Mitglieder zwischen 16 und 36 Jahren zusammen. Gab es Diskussionen über die Kandidaten*innen für den Vorstand? Oder über die Neustrukturierung? Hinter verschlossenen Türen zu tagen, bedeutet eben auch, sich der Transparenz zu entziehen. Zur Begründung führt die GD an, es herrsche Platzmangel und man habe den „Jugendschutz“ gewährleisten wollen. Sie hätten aber auch „keine guten Erfahrungen mit den Medien“, sagt Michael Fehre. Am Ende des Tages gibt es nur eine Pressekonferenz.
Zu der Zeit stand fest: Fehre ist der Landesvorsitzende der GD Niedersachsen. Der 29-Jährige sitzt für die AfD im Bundestag. Am Abend sagte er, die GD wolle „junge Menschen ermutigen“, „aktiv zu sein und Gesicht zu zeigen“. Die GB werde sich jetzt „für junge Familien, wettbewerbsfähige Preise für Unternehmen, Wiedereinstieg in die Kernkraft und für eine sogenannte Remigration einsetzen“.
Fehre fordert einen schlanken Staat und eine „Doge“-Behörde nach Vorbild der kurzzeitig von Elon Musk geleiteten Staatsabbaubehörde der Trump-Administration. Effizienz und Produktivität der Regierung möchte der neue Landeschef so erhöhen. Auch um die westliche Zivilisation ist er besorgt. Auf Instagram postete er auf Englisch: „Gemeinsam retten wir unsere westliche Zivilisation vor dem Aussterben!“ Auf einem Bild ist er auf einem Treffen der Trump-Jugend Young Republicans zu sehen.
Rassisten, Transfeinde, Geschichtsrevisionisten
Im Saal haben die Mitglieder Patrick Schwarzer zum Landesvize bestimmt. Er hatte das digitale Projekt „Der rechte Schuh“ initiiert. Motto des blauen Turnschuhes mit rotem AfD-Logo: „Jung, rechts, extrem gutaussehend. Echte Schuhe sind rechts.“ Otto Cornelius soll für die Programmatik und für Events zuständig sein. Eltern, die ihre Kinder bei einer Geschlechtsumwandlung unterstützen, nannte er „psychopathisch“. Er denkt im Übrigen, Deutschland sei nicht schuld am Zweiten Weltkrieg.
Felix Wolf gehört ebenfalls dem Vorstand an. Er betreibt auf der Plattform X den Kanal „Wolf des Nordens“ mit etwa 26.000 Followern. Der Fitnesscoach erklärt online: „Ich gebe Deutschland nicht auf. Nicht heute, nicht morgen. Ich kämpfe bis zum Schluss.“ Dazu postet er herabwürdigende Bilder vom Menschen mit Migrationsbiografie.
Die wegen Volksverhetzung verurteilte Mitarbeiterin von Alice Weidel, Marie-Therese Kaiser, wurde Delegierte der GD-Niedersachsen für den Bundeskongress, schreibt das Nachrichtenportal Endstation Rechts.
Die Aufgaben der GD umriss Fehre so: Konflikte mit der Mutterpartei sollen künftig unterbleiben. Für die politische Arbeit auf kommunaler Ebene werden Schulungen mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten der AfD stattfinden. Sie möchten eine „Nachwuchsschmiede“ werden.
Wegen ihrer rechtsextremen Ausrichtung hatte der AfD-Landesvorstand auf die Auflösung der JA Niedersachsen gedrängt. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Stephan Bothe behauptete nun in der Pressekonferenz nach der GD-Gründungsversammlung, zwischen JA und GD gebe es keine personellen Überschneidungen. Stimmt nicht: Der Beisitzer im GD-Landesvorstand, Adrian Maxhuni, hatte den JA-Landesverband bis zu seiner Auflösung sogar geleitet. Der 29-Jährige ist auch GB-Bundesvize.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert