Groko im Clinch um Kompetenzen: Wahlkampf mit Wald

CDU-Agrarministerin Julia Klöckner legt ein Konzept für klimabeständige Wälder vor – ohne SPD-Umweltministerin Svenja Schulze. Die beschwert sich.

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und Andreas Bolte, Leiter des Instituts für Waldökosysteme am Thünen-Institut,

Schauen Sie: Wald! Und eine Strategie! Foto: Wolfgang Kumm/dpa

BERLIN taz | Der „klima-angepasste Mischwald“ dient als Leitbild für die Zukunft. In ihrer am Dienstag veröffentlichten Waldstrategie 2050 legte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) dar, dass die Wiederaufforstung von Nadelbäumen nur dort geplant sei, wo Laubbäume nicht wüchsen.

Das bereits begonnene Waldumbauprogramm im Umfang von 1,5 Milliarden Euro soll in der kommenden Regierungsperiode fortgeführt werden. Weitere konkrete Zahlen dazu nannte Klöckner allerdings nicht.

Vor allem die starke Trockenheit und in der Folge der Borkenkäfer haben knapp 3 Prozent der hiesigen Wälder schwer beschädigt. Vor diesem Hintergrund ergriff die CDU-Politikerin die Gelegenheit, sich kurz vor der Bundestagswahl noch einmal in Position zu bringen. Wenn die Union es in die neue Regierung schafft, hat Klöckner gute Chancen auf vier weitere Jahre als Ministerin.

Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD fand den Auftritt deshalb nicht amüsant. Sie warf Klöckner vor, gegen den Koalitionsvertrag zu verstoßen, der eine „gemeinsame Waldstrategie“ vorsehe. Inhaltlich betonte Schulze: „Wälder sind mehr als Holzfabriken, sie spielen eine entscheidende Rolle für den Klimaschutz und die Bewahrung der Artenvielfalt.“

Kritik auch von Um­welt­schüt­ze­r:in­nen

Klöckner konterte: Sie leite das in dieser Sache „federführende Ministerium“. Außerdem sei es nicht schneller gegangen, weil die EU sich mit ihren Plänen zum Wald verspätet habe. Vor der Wahl habe sie aber noch eine „Grundlage“ für die nächste Regierung schaffen wollen.

Auch der Umweltverband BUND kritisierte, nicht ausreichend beteiligt worden zu sein. „Agrarministerin Klöckner schützt die kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen der Forst- und Holzlobby statt den Wald.“ Der Verband forderte „eine ökologische Waldwende“, darunter „die Ausweisung von Naturwäldern ohne forstliche Nutzung auf mindestens 10 Prozent der Waldfläche“.

Auf den ersten Blick mutet es fragwürdig an, wenn die Ministerin sich einerseits für klimaresiliente Wälder einsetzt, andererseits aber den Anteil von Holz beim Wohnungsbau „auf 30 Prozent anheben“ will.

Dass ökologisch intakte Forsten und die wirtschaftliche Nutzung von Holz kein Widerspruch sein müssen, erklärte Professor Andreas Bolte vom staatlichen Thünen-Institut.

Hinsichtlich des Klimawandels erfülle der Wald drei Funktionen: Erstens binde er große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid. Zweitens verursache Bauholz aus Deutschland weniger Klimaschäden als solches, das über weite Strecken nach Deutschland transportiert werde. Und drittens ersetze Holz Baustoffe wie beispielsweise Zement, bei deren Produktion viel mehr CO2 entsteht.

Für die Aufforstung der beschädigten und den Umbau der bestehenden Wälder plädierte Bolte dafür, die „Optionen zu weiten“. Beispielsweise seien die hiesigen Buchenarten nicht unbedingt am besten geeignet, wenn sich der Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten noch stärker bemerkbar mache. Infrage kämen dann auch ausländische Arten, etwa die Ungarische Eiche.

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