Grenzübergang Rafah teilweise geöffnet: Durch den Checkpoint zu den Krankenwagen
Nach bald zwei Jahren fast durchgehender Schließung öffnet der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza wieder. Doch die Ein- und Ausreise bleibt kompliziert.
Foto: Ahmed Sayed/Anadolu/imago
Nahezu zwei Jahre lang war der Grenzübergang Rafah zwischen Gaza und Ägypten fast durchgehend geschlossen. Nun ist er wieder geöffnet. Doch überquert wurde er bislang wohl kaum.
Nach Angaben des ägyptischen Senders Al-Kahira News sollen etwa 50 Palästinenser*innen aus Gaza mit ihren Begleiter*innen die Erlaubnis bekommen haben, in das Nachbarland auszureisen. Ein Kontakt der taz in Gaza bestätigt diese Zahl. Der Sender berichtete weiter, aus Ägypten einreisende Palästinenser hätten die palästinensische Seite des Gaza-Grenzübergangs erreicht. Wieviele es sind, war bis Redaktionsschluss nicht klar.
Eigentlich sollen pro Tag bis zu 50 Verletzte mit maximal je zwei Begleitpersonen ausreisen dürfen. Nach Angabe der Times of Israel sollen etwa 150 Spitale in Ägypten bereit sein, die palästinensischen Kranken und Versehrten zu empfangen. Aus Ägypten sollen wiederum pro Tag 50 Gazaner*innen wieder nach Gaza reisen dürfen.
Wie die Ein- und Ausreise über Rafah funktioniert
Auch wenn die Ausreise über Rafah nun wieder möglich ist, bleibt sie doch kompliziert. Laut Medienberichten sollen die Kontrollen dort viel Zeit – ganze Stunden – in Anspruch nehmen. Die israelischen Sicherheitskräfte reagierten auf eine Anfrage der taz dazu bis Redaktionsschluss nicht.
Klar ist: Mehrere Seiten sind in den Prozess involviert. Wer den Gazastreifen verlassen will, braucht die Zustimmung der ägyptischen Behörden, die außerdem die Namen an Israels Inlandsgeheimdienst Shin Bet weitergeben sollen. Israel selbst soll die Ausreise der Menschen aus einem Kontrollzentrum, nach Angaben israelischer Medien mittels Gesichtserkennungssoftware, überwachen. Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde sollen außerdem Sicherheitsüberprüfungen am Checkpoint durchführen.
Wer wiederum nach Gaza einreisen will, soll durch einen Sicherheitscheck des israelischen Militärs geleitet werden.
Gesundheitsversorgung in Gaza funktioniert kaum noch
Laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) warten etwa 18.500 Menschen in Gaza darauf, sich im Ausland behandeln zu lassen, darunter etwa 4.000 Kinder. Nach über zwei Jahren des Kriegs ist die Gesundheitsversorgung im Gazastreifen in weiten Teilen zusammengebrochen, die Hälfte aller Kliniken arbeiten laut OCHA gar nicht mehr.
Die israelische Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights hatte im vergangenen Jahr – unter anderem aufgrund der Zerstörung des Gesundheitssystems – der israelischen Regierung vorgeworden, im Gazastreifen einen Genozid zu begehen. So sei beispielsweise die einzige Fachklinik für Krebsbehandlungen im März 2025 bombardiert worden. Israel erklärte nach diesem und weiteren Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen, dass sie von der Hamas genutzt worden seien.
Die Bedeutung des Grenzübergangs Rafah ist für die Bevölkerung groß: Sie ist ein Tor zur Außenwelt. Im Mai 2024 hatten die israelischen Streitkräfte den sogenannten Philadelphi-Korridor entlang der Grenze zu Ägypten eingenommen. Und erlangten damit auch die volle Kontrolle über den Grenzübergang Rafah. Israel hatte der Hamas zuvor immer wieder vorgeworfen, den Übergang für den Schmuggel von Waffen zu nutzen. Dass Rafah nun wieder geöffnet wird, ist Ergebnis des von den USA initiierten Friedensplans.
Mitarbeit: Lisa Schneider
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