Deutsch-französische Grenze in Scheibenhardt

Endlich wieder offen: die deutsch-französische Grenze in Scheibenhardt mit Blick nach Scheibenhard Foto: Miriam Stanke

Grenzkontrollen und die Coronakrise:Die Abgegrenzten

Scheibenhardt ist deutsch. Scheibenhard liegt in Frankreich. Von der Grenze sprach kaum noch jemand – bis das Virus kam.

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15.6.2020, 17:25 UHR

Die Kette, die wochenlang Scheibenhardt von Scheibenhard getrennt hat, ist irgendwann im Mai verschwunden. Rot-weiß und aus Plastik hing sie quer über der Lauterbrücke. Bald zierten Kinderzeichnungen und europafreundliche Botschaften dieses unfreundliche Zeichen der neuen Nationalstaaterei. In unbeobachteten Momenten duckten sich die Scheibenhard(t)er von beiden Seiten einfach drunter durch, so als wäre die Grenzschließung nur ein absurder Akt, der ihnen da von Politikern im fernen Paris und Berlin abverlangt wird.

Dann war die Kette plötzlich weg. „Es hat sie jemand geklaut“, erzählt Karl Heinz Benz. „Gut so“, entfährt es Francis Joerger und er grinst spitzbübisch. Benz ist Stadtrat im deutschen Scheibenhardt, Joerger war bis vor wenigen Wochen Bürgermeister im französischen Scheibenhard, hier am Südzipfel von Rheinland-Pfalz. Die beiden kennen sich aus ihren gemeinsamen Zeiten bei den französischen Sozialisten, sie wollten Europa immer leben, waren nie sehr zufrieden mit dem Zustand der deutsch-französischen Freundschaft. „Ein guter Europäer ist einer, der immer unzufrieden ist“, sagt Joerger.

Unzufrieden ist ein viel zu schwacher Ausdruck für das, was sie in den letzten Monaten gefühlt haben. Benz und Joerger sind sich einig: Wenn die deutsch-französische Freundschaft am Rhein und in der Pfalz das Schaufenster Europas ist, dann muss dieses Fenster nach den Coronawochen gründlich renoviert werden.

Ein bisschen Feiern zur Wiedervereinigung

Jetzt am 15. Juni ist der Weg von Scheibenhardt nach Scheibenhard wieder ganz frei, der kleine Grenzverkehr fließt am Montagmorgen ungestört, auch wenn die Bäckerei direkt am Übergang noch ein schleppendes Geschäft verzeichnet. Das alte Leben ohne Grenze kommt nur langsam wieder zurück, am Abend wird ein bisschen gefeiert. Wenn es dunkel wird, flimmern dort, wo bis vor Kurzem die Kette hing, schwarz-weiße Bilder von der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags und den Verträgen von Rom über eine Großleinwand. Die Europa-Union Rheinland-Pfalz lädt zur Multi-Media-Show unter dem etwas luftigen Motto „Open Air@Open Borders“.

Da wird dann wieder viel von der Überwindung der historischen Erbfeindschaft die Rede sein, vom Friedensprojekt Europa und dem Ende des Nationalismus. Es wird also dieser europäische Geist beschworen, den die Politiker in Berlin, Paris und anderswo angesichts Corona so unglaublich schnell wieder in die nationale Flasche gestopft hatten. Finanzhilfen und medizinische Versorgung gab es erst einmal jeweils nur für die eigenen Leute. Von Brüssel war wochenlang nichts zu hören, an jeder europäischen Grenze galten andere Regeln.

Was lange gefördert wurde, dass nämlich Regionen über nationale Grenzen und Sprachbarrieren hinaus zusammenwachsen, das war plötzlich verboten. Europa sei beschädigt worden, sagen Bürgermeister und Landräte auf beiden Seiten des Rheins unisono. Sie schrieben zum Höhepunkt der Krise einen Brief an den bundesdeutschen Innenminister Horst Seehofer: „Was diese Grenzgänger in den letzten Wochen erleben, ist geeignet, nachhaltigen Schaden in unseren Beziehungen hervorzurufen.“

„Ich habe den Brief nicht unterzeichnet“, sagt Francis Joerger, „er war mir zu diplomatisch formuliert.“ Man kann sich nur ausmalen, was der damals noch amtierende Bürgermeister vom französischen Scheibenhard dem Minister geschrieben hätte. Joerger kennt die Klagen der Berufspendler, hat sich mit ihnen über die stundenlangen Staus an den wenigen offenen Übergängen geärgert. Er schüttelt den Kopf über die strengen Kontrollen, bei denen auch der Zustand von Reifenprofil und TÜV-Plakette für die Grenzpolizisten plötzlich interessant war. Keiner habe auch nur einmal nachgefragt, wie sich diese Maßnahmen auf die Region auswirken könnten. „Ich glaube, die Politik unterschätzt, was sie hier vor Ort anrichtet“, sagt Francis Joerger.

Für die Freundschaft: Ex-Bürgermeister Joerger und der Ortschaftsrat Karl Heinz Benz Foto: Miriam Stanke

Aber das kennt man hier schon länger.

Mit Entscheidungen der Mächtigen an einem fernen grünen Tisch haben sie in Scheibenhard, France und Scheibenhardt, Deutschland so ihre Erfahrungen. 1815 zog der Wiener Kongress die Grenze zwischen der Südpfalz und Frankreich einfach entlang des Flüsschens Lauter und teilte damit das Dörfchen in der Mitte. Die Kriege zwischen Frankreich und Deutschland verschoben diese Linie immer mal wieder, die Scheibenhardter auf beiden Seiten pflegten aber unabhängig von der politischen Großwetterlage auch über Schmuggelrouten durch den Bienwald grenzüberschreitende Kontakte.

Eine willkürlich gezogene Grenzlinie von 1815

Lange besuchte man die gleiche Kirche, viele Familien lebten dies- und jenseits der Grenze. Die Zöllner wohnten am Ort und kannten ihre Scheibenhard(t)er. Der Grenzübergang war wohl nie die härteste Tür an der deutsch-französischen Grenze. Was die Bewohner ihres Ortes mit so viel Grenzerfahrungen außerdem zusammenhielt war „Scheiwda“, die gemeinsame Mundart.

So feierten die Scheibenhard(t)er dann in der Silvesternacht auf 1993 ein großes gemeinsame Volksfest, als das Schengen-Abkommen in Kraft trat und Schranken und Grenzhäuschen abschaffte. Seitdem gibt es einen gemeinsamen Neujahrsempfang der Bürgermeister, gemeinsame Konzerte und Ausstellungen. Höhepunkt ist jedes Jahr im Juni das Lauterbrückenfest. Und seit ein paar Jahren existiert auch ein zweisprachiges Gemeindeblättchen, in dem auch Benz und Joerger schreiben.

Die rot-weißen Schranken von damals haben sie auf der deutschen Seite stehen gelassen, als Mahnmal, aber aus der einstigen Zollstation ist ein Wohnhaus geworden, in dem ausgerechnet ein ehemaliger Grenzbeamter lebt. Politiker aus Paris und Berlin nehmen seitdem die Lauterbrücke gerne als Kulisse, um Sonntagsreden über Europa zu halten. Zuletzt der SPD-Mann Martin Schulz vor der Europawahl. Hier hat er sein leidenschaftliches Plädoyer gegen Nationalismus und für ein vereintes Europa gehalten.

Erst gelobt, dann plötzlich verboten

Aber als dann am 16. März dieses Jahres die Grenze plötzlich wieder zuging, habe sich keiner von denen aus den Hauptstädten gemeldet, sagt Edwin Diesel. „Plötzlich stand die Barriere da.“ Diesel ist Bürgermeister auf der deutschen Seite, ein ehemaliger Berufssoldat mit grauem Schnurrbart. Seit 20 Jahren leitet er die Geschicke der kleinen Gemeinde ehrenamtlich. Er kann viele Geschichten darüber erzählen, wie es war, als plötzlich verboten wurde, was Politiker kurz vorher noch gelobt und gefördert hatten. 350 Euro Strafe habe es gekostet, wenn man als Franzose beim Einkaufen im Penny erwischt worden ist. Nicht einmal die französischen Mitarbeiter beim Discounter durften nach Feierabend dort noch ein paar Lebensmittel mitnehmen und damit über die Grenze. Diesel schüttelt unwillig den Kopf.

Was ist das für eine Politik, wenn Regelungen vollkommen unklar bleiben und das offenbar auch so gewollt ist? „Triftige Gründe“ musste man haben, um passieren zu dürfen. Aber was heißt das schon, wenn die Beamten selbst entscheiden können, was ein solcher Grund ist und was nicht. Dass der Einkauft beim Bäcker Minzbrück gleich bei der Brücke keiner ist, kann Diesel gerade noch verstehen, aber dass ein getrenntlebender Vater seine Kinder nicht mehr sehen darf, weil seine Familie drüben im französischen Teil lebt, wer bitte soll das einsehen?

Grenzbrücke von Scheibenhard

Bittere Erfahrung der Absperrung: Grenzbrücke von Scheibenhard(t) Foto: Miriam Stanke

Mittagszeit an der Lauterbrücke Anfang Juni. Ein Wagen des Bundesgrenzschutz hält, fünf Beamte in Warnweste und Mundschutz steigen aus. Routiniert stellen sie sich auf die Fahrbahn und stoppen die Fahrzeuge, die nach Deutschland einreisen wollen. Wo geht es hin aus welchem Grund? Die Beamten sind freundlich aber hartnäckig. Passierscheine werden gezeigt, einige der Autos müssen umkehren, zahlen muss offenbar niemand.

Der Trupp vom Grenzschutz versieht normalerweise am Frankfurter Flughafen Dienst. Dort gibt es nichts zu tun, deshalb sind sie in die Südpfalz abgeordnet worden. Eine willkommene Abwechslung für die Beamten, aber gerade die Abordnungen gelten an der Grenze als besonders streng. Diesen Eindruck versucht der Einsatzleiter entgegenzuwirken. Es gehe darum, den kleinen Grenzverkehr zu bremsen, sagt er, nur Wiederholungstäter hätten eine Geldstrafe zu befürchten und ja, gibt der Beamte zu, ihre Aufgabe sei es auch, die Fahrtüchtigkeit der Autos zu prüfen, oder abgelaufene Ausweispapiere zurückzuweisen. Und da gebe es einige Erfahrungen bei der Kontrolle, die nationale Klischees bestätigen, sagt der Mann etwas verklausuliert.

Josiane Staufert

Friedhofsbesuch verboten: Josiane Staufert lebt im französischen Ortsteil Foto: Miriam Stanke

Die Franzosen also, mit ihren Rostlauben und abgelaufenen Ausweisen. Auf der anderen Seite die strammen deutschen Grenzbeamten, die sie mit kühlem Blick zurückweisen. In Scheibenhardt konnte man sehen, wie mit den Grenzen auch wieder die alten Klischees und Nationalismen hochkommen. Hier erzählen sie sich von deutschen Anfeindungen und Pöbeleien gegen Franzosen. Und Francis Joerger ärgert sich darüber, dass deutsche Politiker jetzt auch noch allzu sehr betonen müssen, wie viel besser sie die Corona­krise gemanagt hätten.

Francis Jöerger, ehemaliger Bürgermeister von Scheibenhard in Frankreich

„Das Schlimmste ist, dass man den Rechten gezeigt hat, dass es ohne Probleme möglich ist, die Grenzen einfach zu schließen“

Die alten Empfindlichkeiten und Zerrbilder sind wieder da und werden von so manchem Politiker bedient. Da ist der Bürgermeister von Lauterbourg auf der französischen Seite, der die Krise dazu benutzt hat, um am rechten Rand zu fischen. Das Virus komme aus Deutschland, verbreitet er noch Mitte März über Facebook. Francis Joerger schüttelt da nur den Kopf, der Nationalismus sei das ­eigentliche Gift: „Das Schlimmste ist, dass man den Rechten gezeigt hat, dass es ohne Probleme möglich ist, die Grenzen zu schließen.“

„Nein, ich bin nicht zufrieden mit eurem Seehofer“, sagt eine ältere Frau im französischen Scheibenhard und bietet uns trotzdem ein paar selbst gepflückte Erdbeeren an. Sie kennt den Ort in zwei Ländern mit und ohne Grenze. Josiane Staufert lebt seit 63 Jahren im Haus ihrer Eltern, ihr Vater war nach dem Krieg der einzige Bürgermeister, der beide Scheibenhard(t)s regiert hat.

1945 war das, als der Südwesten Deutschlands unter französischer Besatzung stand. Bis 1993 sei die Grenze tags kontrolliert und nachts geschlossen gewesen. Nicht sehr schön, aber was in den letzten Wochen passiert sei, das fände sie geradezu absurd, sagt Frau Staufert. Ein Virus übertrage sich doch von Mensch zu Mensch und nicht von Staat zu Staat. Und die Gefahrenzone um Colmar im Elsass sei von hier hundert Kilometer entfernt gewesen.

Josefine Staufert hat ihre eigenen Grenzerfahrungen. Die Lehrerin besitzt auf der deutschen Seite ein Stück Land. Um dort hinzugelangen, musste sie in den Coronawochen erst einmal einen Passierschein beantragen. Das Grab eines Freundes zu besuchen, sei ihr damit aber nicht erlaubt worden. „Wobei“, sagt Staufert, sie sei überrascht gewesen, dass die deutschen Zöllner „gar nicht mal so stur gewesen sind“. Etwa, als sie sich im benachbarten Lauterburg Zigaretten kaufen wollte und ihr der Verkäufer die Stange über die Grenze reichte, mit Mundschutz versteht sich. Das hätten die Grenzer akzeptiert.

Grenzhäuschen

Außer Betrieb: das ehemalige Grenzhäuschen auf der französischen Seite Foto: Miriam Stanke

Das ist die Art, wie sie hier gern die Grenzkonflikte lösen, mit menschlichem Maß eben. Denn es ist ja nicht so, dass früher mit der Freundschaft dies- und jenseits der Lauter alles in Butter gewesen wäre. Nach dem Ende der Grenzkontrollen waren sie in den 1990er Jahren auf der Suche nach einem gemeinsamen Leuchtturm-Projekt. Die beiden Gemeinden entschieden sich dafür, einen gemeinsamen Kindergarten auf die Beine stellen zu wollen. Was könnte die Grenzen besser verwischen, als wenn die Kleinsten zusammen spielen und die Sprache der anderen lernen? Fragt man auf der französischen Seite, warum daraus nichts geworden ist, heißt es, die Deutschen seien zu ungeduldig gewesen. Erwin Diesel auf der deutschen Seite sagt dagegen, das Projekt wäre erst einmal durch die Mühlen der zentralistischen Pariser Bürokratie gedreht worden.

Man kann wohl sagen, dass die grenzüberschreitende Freundschaft im letzten Jahrzehnt etwas an Schwung verloren hat, auch wenn die einen ihren Fisch und frische Artischocken gern in Frankreich kaufen und die andern täglich über die Grenze zur Arbeit fahren. Die Jungen in Frankreich sprächen immer seltener Deutsch, und die Scheibenhardter in der Pfalz seltener Französisch, heißt es auf beiden Seiten. Die gemeinsame Mundart sei auch auf dem Rückzug. Seine Enkel, sagt Francis Joerger, kenne keine deutschen Kinder mehr. Daran kann man dem Coronalockdown nicht die Schuld geben, eher schon der Politik, die den grenzüberschreitenden Sprachunterricht nie konsequent verfolgt habe. Und auch die Scheibenhard(t)er beider Nationalitäten haben wohl ihren Anteil.

Corona als Zäsur, um danach manches anders zu machen. Das ist ja so eine Hoffnung, die jetzt immer mal wieder geäußert wird. Das könnte auch für die grenzüberschreitende Freundschaft in dem Örtchen gelten. Vielleicht sei das ja das einzig Gute an dem Shutdown, sagt Edwin Diesel, wenn man ihn fragt, was man aus der Grenzschließung lernen kann: „Jetzt haben wir mal wieder erlebt, wie es mit Grenzen ist.“ Es scheint als wären sich in den beiden Scheibenhard(t)s alle einig, dass sie sie auf keinen Fall wieder haben wollen.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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