Greenpeace-Chefin über Münchner Siko: „Hier gibt es Macht und Ressourcen“

Das Thema Klimasicherheit nahm bei der Sicherheitskonferenz nur eine kleine Rolle ein. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan fordert jetzt Lösungen.

Ein schmelzender Eisberg im Gegenlicht

„Wir brauchen Lösungen“, sagt Jennifer Morgan. Und die Antarktis erwärmt sich weiter Foto: Paul Souders/imago

taz: Frau Morgan, haben die versammelten Politiker, Militärs und Geschäftsleute nach dieser Konferenz jetzt verstanden, was auf dem Spiel steht?

Jennifer Morgan: Ich glaube, die meisten haben immer noch nicht begriffen, was die Klimakrise für die Sicherheitspolitik und für die Außenpolitik bedeutet. Die Sicherheitscommunity fängt gerade erst an, die Klimakrise nicht mehr nur als Randthema zu betrachten.

Die MSC ist nicht eben als der Heilige Gral progressiver Politik bekannt. Was war hier Ihr Ziel?

Ich wollte den Veranstalter Wolfgang Ischinger dazu herausfordern, die Klimakrise mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Das Klima-Bewusstsein ist fast überall in der Gesellschaft angekommen, in der Wissenschaft, in den Regierungen, in der Geschäftswelt. Jetzt muss die Sicherheitscommunity und in deren Kern die Sicherheitskonferenz nachziehen.

Wie hat Wolfgang Ischinger auf die Herausforderung reagiert?

Er hat reagiert, das muss ich anerkennen, und hat das Thema Klimasicherheit mehr auf die Agenda gesetzt. Das Thema muss aber noch viel zentraler positioniert werden. Vor allem aber muss die Sicherheitskonferenz ihre ganz besondere Stärke nutzen: dass hier so viele internationale Entscheider zusammenkommen.

Für die Finanzwelt etwa ist die Klimakrise ein großer Risikofaktor. Und es sind so viele Entscheider aus der Welt der Finanzen hier! Die Sicherheitskonferenz könnte dieses Potenzial nutzen, um Lösungen zu entwickeln. Wir sprechen genug. Wir brauchen Lösungen. Hier gibt es dafür das Potenzial, die Macht, die Ressourcen.

Wenn man sich umsieht, dann laufen hier aber doch sehr viele Uniformen durch die Flure. Im Kern ist die MSC eine militärpolitische Veranstaltung.

Das Militär führt Kriege um Öl. Jetzt muss das Militär genau das Gegenteil tun: Dafür sorgen, dass das Öl, das Gas, diese CO2-Bomben, im Boden bleiben.

Und sind Sie mit den Militärs hier in München vorangekommen?

Na ja, mit aktiven Militärs ist es schwierig. Die sind noch nicht so weit. Kein Verteidigungsministerium nimmt die Risiken des Klimawandels so ernst, dass es seine Ressourcen und Strategien ändert. Wir brauche eine neue Friedens- und Klimapolitik.

Neben den Regierungen gibt es noch supranationale Organisationen, die dabei eine Rolle spielen. Wie weit sind Sie in München mit der Nato gekommen?

53, leitet seit 2016 zusammen mit Bunny McDiarmid die Umweltschutzorganisation Greenpeace International. 2007 beriet sie die Deutsche Bundesregierung in Klimafragen.

Nicht sehr weit.

War es trotzdem richtig, zur MSC zu kommen?

Ich finde, es lohnt sich, die Menschen direkt anzusprechen und zu konfrontieren. Wenn Greenpeace in dieser Situation die Chance hat, die Sicherheitscommunity zu konfrontieren, dann müssen wir das machen.

Es ist gerade sehr opportun, irgendetwas mit Klima zu machen. Geht es bei der Sicherheitskonferenz über Imagepflege hinaus?

Es gibt Leute bei der MSC, die verstanden haben, wie elementar die Klimakrise mit der Sicherheitspolitik verbunden ist. Aber den Durchbruch kann ich noch nicht sehen. „Houston, we have a problem“ ist bei der Sicherheitscommunity immer noch nicht angekommen. Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit für die Klimakrise in München im kommenden Jahr, in den kommenden Jahren größer wird. Aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe.

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Die Erderwärmung bedroht uns alle. Die taz berichtet daher noch intensiver über die Klimakrise. Alle Texte zum Thema finden Sie unter taz.de/klimawandel.

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