piwik no script img

Golfrunde mit dem US-PräsidentenKanes Eigentor

Auf dem Fußballfeld steht Harry Kane meistens goldrichtig. Dass er mit Donald Trump Golf gespielt hat, kommt weniger gut an.

Nervös fährt sich Harry Kane auf der Pressekonferenz vor dem Viertelfinale gegen Norwegen durch die Haare. Die Frage war unvermeidlich. Nach dem Achtelfinalsieg der Engländer gegen Mexiko hatte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social geschrieben: „Harry Kane von England ist ein GROSSARTIGER Spieler!!!“ Kurz darauf schwärmte er vor Reportern: „Ich mag ihn sehr. Er ist ein guter Golfer. Er ist wirklich großartig.“

WM-taz-Logo
Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Nun würde man doch nur allzu gerne wissen: Wie war wohl die Golfrunde mit Donald Trump? Hat der US-Präsident gar ein Hole in one geschafft – für alle, die mit Golf nichts anfangen können: ein Schlag, ein Loch, ein Volltreffer. Also ungefähr das, was Trump in Iran seit Monaten versucht. Und vor allem: Wie landet ausgerechnet Harry Kane, dieser Superstar des Weltfußballs, auf den sich alle irgendwie einigen können, mit Donald Trump auf dem Green?

Vor 18 Monaten, erzählte Kane auf der Pressekonferenz, sei er in Palm Beach gewesen. Da habe Trump ihn eingeladen. Und wenn der Präsident jemanden einlädt, lehnt man nicht ab. „Es war eine einzigartige Erfahrung und ich war einfach dankbar, dass er mich eingeladen hat, mitzuspielen“, sagt der 32-Jährige. Kane selbst habe gut gespielt, Trump natürlich auch. Er hoffe, im Alter des Präsidenten noch genauso gut zu sein.

Warum Trump ausgerechnet Kane zum Golfen einlud, bleibt ein Geheimnis. Seine Fußballexpertise dürfte kaum der Grund gewesen sein. Im Trubel um die – später ausgesetzte – Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun gestand Trump freimütig, anfangs nicht einmal gewusst zu haben, was eine Rote Karte bedeutet, geschweige denn, welche Konsequenzen sie hat.

Doch spannender ist ohnehin die Frage, warum der Kapitän der englischen Nationalmannschaft offenbar keine Sekunde zögerte, mit Trump eine Runde über den Golfplatz zu drehen. Über seine politischen Ansichten spricht Harry Kane selten. Der Stürmer des FC Bayern hält sich bei gesellschaftspolitischen Debatten meist zurück. Und doch wirft sein Treffen mit Trump Fragen auf.

Kane auf den Knien

Nach der Ermordung von George Floyd im Jahr 2020 gehörte Kane zu den Premier-League-Spielern, die vor den Spielen als Zeichen gegen Rassismus auf die Knie gingen. Er betonte damals die Bedeutung der Geste: „Das ist eine großartige Gelegenheit für die Menschen, ihre Beweggründe zu erklären und ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Bildung ist das Wichtigste, was wir tun können. Erwachsene können den nachfolgenden Generationen beibringen, was es bedeutet, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu helfen, unabhängig von der Hautfarbe.“

Trump dagegen forderte bereits 2018 harte Strafen für kniende Footballprofis: „Beim ersten Mal knien – ein Spiel Sperre. Beim zweiten Mal knien – Sperre für die gesamte Saison, ohne Gehalt!“, schrieb er damals. Im Sommer 2020 legte er nach und erklärte, er werde keine Spiele der Baseballliga MLB oder der Basketballliga NBA mehr verfolgen, sollten die Profis während der Nationalhymne knien.

Auch in Sachen LGBTQ+-Rechte liegen Kane und Trump weit auseinander. Kane trug bei Spielen Regenbogen- und Pridearmbinden. Vor der WM 2022 in Katar gehörte er zu den Kapitänen, die die an die Regenbogenfarben angelehnte „One Love“-Armbinde tragen wollten. Trumps Zwei-Geschlechter-Dekret, das trans Menschen ihre Selbstbestimmung abspricht, passt da so gar nicht. Zudem will er trans Personen vom Dienst in den US-Streitkräften ausschließen. Für Trump haben trans Personen auch im Frauen- und Mädchensport nichts verloren. Bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles sind sie schon gar nicht erwünscht.

Hat Kane wohl über all das nachgedacht, als er zur Golfrunde mit Trump eingeladen wurde? Er hat sich jedenfalls in den vergangenen 18 Monaten nicht öffentlich zu dem Treffen geäußert. Ist es ihm irgendwie unangenehm?

Sportlich ist Harry Kane nahezu unangreifbar. Sowohl beim FC Bayern als auch in der englischen Nationalmannschaft hat er sich mit vielen Toren und seiner ruhigen Art in die Herzen der Fans gespielt. Dazu mag diese eine Episode in seinem Leben nicht passen. Auf dem Golfplatz mag Kane eine gute Runde gespielt haben – in der öffentlichen Wahrnehmung war sie ein Eigentor.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Immerhin sind sie nicht gemeinsam auf die Jagd gegangen und haben dort "Strecke gemacht" also mit Gewalt zur "Strecke gebracht".



    Und Golfschläger zu besitzen und zu beherrschen macht mir weit weniger Probleme, als "zum Ausgleich" oder aus vermeintlicher Staatsräson mit Knarren rumballern und der obskuren Lust am Töten von Tieren frönen.



    Sportliche Männlichkeitsrituale sind offenbar auch nur durch rein verbales 'Ausschlachten' für andere interessant.



    /



    Ein historisches Beispiel des Sozialismus:



    "In die Schorfheide wurden auch Staatsgäste eingeladen aus den befreundeten sozialistischen Staaten, aber auch aus dem Westen, wie Herbert Wehner, Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt, Oskar Lafontaine, Hans-Jochen Vogel oder der Krupp-Manager Berthold Beitz. Hatten drei Viertel der gewöhnlichen Jäger nicht mal eigene Waffen, so herrschte bei der Prominenz keinerlei Mangel. Honecker allein hatte mindestens drei Dutzend Jagdwaffen, der erwähnte Sindermann 15, das zeitweilige Staatsoberhaupt Willi Stoph 17."

  • Seid ihr jetzt nicht etwas zu hart zu Herrn Kane? Das Golfspiel hat in der kurzen Winterpause 2024/2025 stattgefunden. Wer hätte da im Kurzurlaub in Florida eine Einladung vom zukünftigen US-Präsidenten abgelehnt, sei es weil man sich geschmeichelt fühlt, sei es aus Neugier? Und in der Öffentlichkeit soll dies ein Eigentor sein?



    Wenn mich der zukünftige US-Präsident zu einem Tischtennisspiel eingeladen hätte (Golf kann ich nicht), wäre ich auch hin, sowohl aus persönlicher Eitelkeit als auch aus Neugier. Und hättet ihr selbst eine Einladung zum Kaffee abgelehnt oder wäret ihr hingegangen, aus professioneller, journalistischer Neugier?

    • @Offebacher:

      Ja, ich hätte abgelehnt. Man hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein gutes Bild von Trump aus seiner ersten Amtsperiode gehabt und spätestens nach seiner Rolle beim Sturm auf das Kapitol wäre es endgültig vorbei gewesen.

      Man muss sich schließlich nicht mit allen lieb Kind machen. Ich habe auch nie verstanden, warum unsere Mannschaft immer so fröhlich in der Kabine mit Merkel posiert hat. Dabei äußern doch gerade viele Sport-Fans immer wieder den Wunsch, dass sich die Politik aus dem Sport raushalten soll.