Gewalt in der Nutztierhaltung: Großer Milchbauernhof unter Tierquälerei-Verdacht
Eine Tierschutzorganisation wirft Mitarbeiter*innen eines brandenburgischen Hofs vor, Tiere misshandelt zu haben. Nun wurde Anzeige erstattet.
Auf einem Bauernhof in der Uckermark sollen monatelang Kühe und Kälber misshandelt worden sein. Das zeigen Videoaufnahmen, die die Tierschutzorganisation Aninova am Mittwoch veröffentlichte. „Die Brutalität und Selbstverständlichkeit, mit der die Tiere gequält werden, hat mich schon sehr schockiert“, sagt Aninova-Vorsitzender Jan Peifer. „Das habe ich in einem solchen Ausmaß noch nicht gesehen.“
Die Tierschutzorganisation wirft dem Hofbetreiber vor, massiv gegen Schutzstandards verstoßen zu haben. So seien die Kühe immer wieder mit Stöcken geschlagen und mit Messern angetrieben worden. Außerdem seien Kälber brutal über Absperrungen geworfen und nach der Geburt gesetzwidrig isoliert worden, sagt Peifer.
Aktivist*innen, die durch Hinweise aus der Bevölkerung auf den Hof aufmerksam geworden waren, haben Aninova die Aufnahmen zugespielt. Drei Monate lang haben sie eigenen Angaben zufolge die Vorgänge im Stall gefilmt.
Hofbetreiber Ronaldus Meijer äußert sich gegenüber dem RBB schockiert über die Vorgänge in seinem Betrieb. Auf seinem Hof leben etwa 960 Milchkühe, deren Milch an eine Molkerei und dann als Kaufland-, Lidl- oder Rewe-Eigenmarke verkauft wird.
Meijer sagt, er habe seinen Mitarbeiter*innen verboten, die Tiere zu schlagen. Nun sei er mit dem Veterinäramt im Gespräch über arbeitsrechtliche Konsequenzen. Weiter wollte er sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Haltungsbedingungen werden selten kontrolliert
Der brandenburgische Bauernverband zeigt sich ebenfalls schockiert, kritisiert aber zugleich, dass die Videos veröffentlicht wurden. Die mediale Aufmerksamkeit führe dazu, dass Menschen zu weiteren Straftaten animiert werden, schrieb der Verband der taz.
Aninova hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin erstattet.
„Ich würde gerne sagen, dass das ein Einzelfall ist“, sagt Lisa Kainz von der Tierschutzorganisation Peta. Aber um solche Fälle zu verhindern, fehle es an Kontrollen. Die Veterinärämter seien überlastet, aus Zeitmangel würden in der Regel nur angekündigte Überprüfungen durchgeführt, sagt Kainz. „Außerdem werden Höfe durchschnittlich nur alle 15 Jahre kontrolliert.“
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