Gewalt in Nahost: Jüdischer Mann greift Nonne in Jerusalem an
Die Übergriffe auf Christen in Jerusalem halten an, sie werden angespuckt oder beleidigt. In dieser Woche wurde eine Nonne zu Boden gestoßen und getreten.
Nahe dem Davidsgrab in Jerusalem hat am späten Dienstag ein Mann eine Nonne in Jerusalem angegriffen. Bei dem Täter handle es sich um einen jüdischen Einwohner, der die Frau attackiert habe, weil er sie als Christin erkannt habe, berichtete der israelische Sender N12. In einem auch online geteilten Video ist deutlich zu sehen, dass der Angreifer Zizit trägt – Schaufäden, die gläubige männliche Juden an ihren Oberteilen tragen.
Ein von der israelischen Polizei am Donnerstag veröffentlichtes Video zeigt, wie der Täter auf die Frau zuläuft und sie von hinten mit voller Wucht zu Boden stößt. Weiter ist zu sehen, wie der Mann sich zunächst entfernt, dann aber zurückkehrt und die am Boden liegende Nonne tritt. Ein Passant eilt der Frau schließlich zu Hilfe und schubst den Angreifer weg. Bei dem Übergriff wurde die Nonne am Kopf verletzt. Ein von der israelischen Polizei veröffentlichtes Bild zeigt ein Hämatom an ihrer Schläfe.
Die 48-jährige Nonne ist bei der French School of Biblical and Archeological Research beschäftigt. Deren Leiter, Olivier Poquillon, schrieb auf X, man verurteile diese sektiererische Gewalt. Er nutze außerdem den Hashtag #HateCrimeData.
Noch am Dienstag war dann ein 36 Jahre alter Tatverdächtiger festgenommen worden. Wie die Times of Israel berichtet, wird er unter dem Verdacht des „rassistisch motivierten Angriffs“ vernommen.
Studenten als mutmaßliche Täter
Christen in Israel, vor allem in Jerusalem, leiden seit einiger Zeit vermehrt unter Anfeindungen. Betroffene berichten etwa immer wieder von Spuck-Attacken, bei denen sie selbst oder der Boden vor ihren Füßen angespuckt werden. Oft sind Studenten von Yeshivot – jüdischen Hochschulen, in denen die Thora und der Talmud gelernt werden – die mutmaßlichen Täter. Sie vertreten eine extreme Auslegung des biblischen Gebots, Götzenanbeter zu „verabscheuen“, schreibt die Times of Israel dazu. Wenngleich einige Rabbiner gegen diese Praxis argumentierten, gibt es immer wieder Vorfälle.
Auch darüber hinaus sind die Beziehungen schwierig: Der Umgang mit dem Patriarchen der katholischen Kirche, Kardinal Pizzaballa, sorgte etwa jüngst für einen Skandal. So hinderte die Polizei ihn daran, kurz vor Ostern die Grabeskirche zu betreten. Grund waren Versammlungsbeschränkungen während des Irankriegs. Allerdings galten diese in anderen Gegenden Jerusalems nicht oder waren weniger drastisch. So blieben im Westen der Stadt etwa Cafés geöffnet, auch im jüdischen Viertel in der Altstadt ging lokalen Berichten zufolge das Alltagsleben mit weniger Einschränkungen weiter.
Ein weiteres Beispiel: Im Südlibanon zerstörte jüngst ein israelischer Soldat mit einem Hammer eine Jesus-Statue. Als Ersatz sendete das israelische Militär dann ein orthodoxes Kreuz – obwohl die Christen in dem Dorf, in dem sich das Kreuz befand, vor allem maronitisch sind. Italienische Unifil-Soldaten ersetzten es schließlich.
Der israelische Staat hatte nach dieser Reihe von Vorfällen den Posten des „Special Envoy to the Christian World“ geschaffen. Der Diplomat George Deek – Teil der arabischsprachigen, christlichen Minderheit im Land – hat ihn inne. Er steht etwa in der Kritik, weil er als israelischer Botschafter in Aserbaidschan diente, während das Land die Armenierinnen und Armenier aus der Region Bergkarabach vertrieb. (mit dpa)
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