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Geplantes Ukraine-Treffen Das Schicksal der Ukraine hängt auch an der EU-Diplomatie

Cem-Odos Güler

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Cem-Odos Güler

Die Ukraine könnte zwischen Großmachtprojektionen der USA, Chinas und Russlands zerstückelt werden. Jetzt kommt es mehr denn je auf Europa an.

D ie Unterstützung der Ukraine wird in Europa unbeliebter – und dabei gerät eine Feststellung in den Hintergrund: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj könnte sich derzeit im Staub wälzen und Russland die entrissenen Territorien im Donbass zum Fraß vorwerfen, die kleptokratische Führung um den russischen Präsidenten Wladimir Putin würde trotzdem nicht von ihren Maximalforderungen im Ukrainekrieg abrücken. Und weiterhin selbst solche Gebiete für sich beanspruchen, die sie militärisch nicht einmal erobert hat. Trotz Selenskyjs deutlichen Kompromissangebots, den Krieg zumindest an der Kontaktlinie einzufrieren und an den Verhandlungstisch zu schreiten, sieht Moskau einen größeren Nutzen für sich darin, das Blutvergießen in die Länge zu ziehen.

Das sich nun anbahnende Treffen zwischen Putin, dem US-Präsidenten Donald Trump und dem chinesischen Machthaber Xi Jinping könnte dazu führen, dass die Ukraine zwischen Großmachtprojektionen zerstückelt wird. Denn die drei paranoiden Greise haben mehrfach demonstriert, dass ihnen die Menschen vor Ort genau so egal sind wie das internationale Völkerrecht. An dieser Stelle könnte sich die EU als Co-Verhandlerin einbringen. Doch hier zeichnet sich ein anderer Befund mit zunehmender Deutlichkeit ab: Deutschland ist als aktuell größter Unterstützer der Ukraine nicht in der Lage, aus den Waffenlieferungen politisches Kapital zu schlagen, um das angegriffene Land auch am Verhandlungstisch zu unterstützen.

Ein Grund dafür ist die Maxime, mit der die EU und die Bundesregierung ihre Ukraine-Unterstützung begründen. Sie verlassen sich dabei auf einen Leitsatz aus der Verhaltensökonomie: Russland wird diesen Krieg weiterführen, so lange der zu erwartende Nutzen größer ist als der Preis, den es dafür zu zahlen hat. Der Ansatzpunkt in Brüssel und Berlin liegt dabei fast ausschließlich auf dem zweiten Teil dieser Gleichung: Russland soll einen so hohen Preis für seine blutrünstige Politik zahlen, dass es von seinem Feldzug ablässt.

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In der Praxis hat sich diese Strategie schon immer als schwer erwiesen. Das zeigten die harten Diskussionen um den Import von russischem Öl nach Europa genauso wie die bis heute unter dem Radar laufenden Importe von russischem Uran auch nach Deutschland. Spätestens die Dieselimporte aus Russland in die USA führen das westliche Sanktionsregime an den Rand seiner Existenz – vom Druck auf Staaten wie Indien, kein Öl mehr aus Russland zu importieren, ganz zu schweigen.

Moskau sieht einen größeren Nutzen für sich im weiteren Blutvergießen

Ja, die Sanktionen haben die russische Wirtschaft empfindlich getroffen. Putin muss sich massiv aus der Staatskasse bedienen und Steuern erhöhen, um seinen Krieg fortzuführen. Doch es wird Zeit, sich dem ersten Teil der Gleichung zuzuwenden: Wie schafft man es, dass Russland keinen Nutzen mehr aus diesem Krieg zieht? Putin, Xi und Trump werden diese Frage niemals stellen. Es wäre ein Ansatzpunkt für die europäische Diplomatie.

Cem-Odos Güler

Cem-Odos Güler Redakteur

Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
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11 Kommentare

  • Schleicher

    User "Machiavelli", "Together_First" und "PeterArt" wollen schon Mal die Demokratie abschaffen um Putin zu besiegen. Am Ende sind wir dann selber Putin.

    Hatte ja scheinbar doch großen Erfolg, diese ganze Zeitenwende Geschichte.

    • rero

      @Schleicher:

      Lese ich ja nun gar nicht raus.

      Müssten Sie erklären.

    • Machiavelli

      @Schleicher:

      Hat hier niemand behauptet. Nur sich nicht gegen Putin durchzusetzen wird mittelfristig unsere Demokratie zerstören.

      • T-Rom

        @Machiavelli:

        Was bedeutet denn "sich gegen Putin durchsetzen"? Und in welcher Frage?



        Ohne irgendwelche Sympathien oder Rechtfertigung für das russische Vorgehen: Werden die westeurop. Demokratien automatisch zerstört, wenn Krim und Donbass unter russischer Kontrolle bleiben?



        Wie geht man mit einem Russland unter Putin um, wenn dieser an der Macht bleibt? Man geht ja auch mit Nordkorea unter Kim, China unter Xi und sogar einem tallibanischen Afghanistan irgendwie in der Praxis um.

  • PeterArt

    "Wie schafft man es, dass Russland keinen Nutzen mehr aus diesem Krieg zieht?" Gibt es dazu eine Antwort, zumindest einen Vorschlag des Autors?

    • Oskar Muster

      @PeterArt:

      Eine Möglichkeit wäre es, die Sanktionen der EU konsequent durchzuführen und alle Schlupflöcher zu verstopfen, ggf. diejenigen, die die Sanktionen unterlaufen, strafrechtlich zu verfolgen. Damit zumindest diese Verbrecher keinen Nutzen aus diesem Krieg mehr ziehen. Wäre sicher alles legitim und würde Putin wohl aufmerken lassen..

  • Machiavelli

    Europa muss selbst ein Imperialer Akteur werden oder es wird untergehen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Machiavelli:

      Imperial? Wirklich?

  • Together_First

    Ein Ansatzpunkt für europäische Politik wäre mit den gleichen Karten der anderen zu spielen und sich jetzt massiv unter dem Radar dafür einzusetzen, dass die USA Midterm Wahlen im europäischen Interesse verlaufen. Machen wir in Trumpistan das, was Trump und Vance seit Jahren in Europa machen. Ich bin sicher, die Dienste der Staaten der EU sind genauso gut darin, ihre Muskeln auf Social Media & Co spielen zu lassen und das Clown-Regime aus den Angeln zu haben. Die EU muss ihre Bandagen wechseln.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Together_First:

      Nette Idee. Aber als Trump forderte, Ölreserven freizugeben, machten die großen EU Staaten mit. Sie helfen also Trump. Und Manager deutscher Unternehmen machen offen Wahlkampf für Trump...

    • PeterArt

      @Together_First:

      So ist es.