Geplante Hafenerweiterung im „Völli“: Wald ist zu wertvoll

Die Hamburger Wirtschaftsbehörde verbietet aus Naturschutzgründen Spaziergänge im Vollhöfner Wald, den sie für Logistikbetriebe fällen will.

Ein Mann mit Käppi und Trekkinghosen untersucht einen abgeknickten Baum.

Unberührte Natur: Umweltschützer auf Entdeckungstour im Vollhöfner Wald Foto: Lukas Schulze/dpa

HAMBURG taz | Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hat ihr Verbot, den Vollhöfner Wald zu betreten, paradox begründet. Das Spazierengehen dort müsse wegen des „hohen Stellenwertes von Wald für den Natur- und Landschaftsschutz“ verboten bleiben. Dabei hat die Behörde selbst den Wald zur Rodung frei gegeben – und die Spaziergänger protestieren genau dagegen.

Der Vollhöfner Wald ist ein 45 Hektar großes ehemaliges Spülfeld in Altenwerder. Weil es 50 Jahre lang sich selbst überlassen blieb, hat sich dort ein weitgehend unberührter Wald mit 23.000 Bäumen entwickelt. 2016 hat der rot-grüne Senat das Areal unter dem Namen „Altenwerder West“ zum Hafennutzungsgebiet erklärt, um dort Logistikeinrichtungen bauen zu können.

Die Umweltverbände Nabu und BUND klagen dagegen. Sie weisen darauf hin, dass der Wald ein Rückzugsraum insbesondere für gefährdete Vogel- und Fledermausarten sei. Überdies bilde er einen wichtigen Trittstein im Biotopverbund.

Für den Wald kämpft auch die „Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald“, die dort Spaziergänge veranstaltet hat. „Regelmäßig sonntags haben diese naturkundlichen Führungen die Bevölkerung auf fachlich hohem Niveau über den hohen Naturschutzwert des Vollhöfner Waldes informiert“, schreibt die Initiative.

Spazieren verboten, Bohren erlaubt

Dagegen dass die Hafenbehörde HPA diese und auch alle anderen Spaziergänge verboten hat, haben mehrere Anwohner Widerspruch bei der Wirtschaftsbehörde eingelegt, die auch für den Forst zuständig ist. Die hat die Behörde jetzt abgelehnt. „Die Sperrung dient dem Schutz des Waldes“, heißt es darin.

Den Widerspruch der Spaziergänger wehrte die Behörde mit einem Hinweis auf eine Baumbesetzung im Herbst ab

Paradox ist diese Auskunft deshalb, weil die Hafenbehörde im Vorgriff auf eine mögliche Rodung selbst in den Wald eingegriffen hat. An 30 Punkten brachte sie Probebohrungen nieder. Dafür sei „ein Wegenetz von ca. 2 Kilometern Länge angelegt“ worden, teilte sie mit.

Den Widerspruch der Spaziergänger wehrte sie mit einem Hinweis auf eine Baumbesetzung im Herbst ab, mit der gegen die geplante Zerstörung des Waldes protestiert wurde. Es gelte „weitere Waldschäden abzuwehren und der Natur die erforderliche Zeit für die Reparatur der Schäden einzuräumen“, heißt es in dem Bescheid. Der alte Senat hatte Arbeiten am Wald bis zur Bürgerschaftswahl im Februar auf Eis gelegt.

Die Klimaschutzinitiative äußerte sich erfreut darüber, dass die Oberste Forstbehörde den hohen Stellenwert dieses Naturwaldes anerkannt habe. Jetzt erwarte sie, „dass Taten folgen und der Wald in einen dauerhaften Schutzstatus überführt wird“.

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