Gen Z und Boomer: Studieren, jobben, Welt retten
Unsere Autorin hat eigentlich keinen Bock auf Generationenbashing. Doch wenn man ihr und der Generation Z Faulheit vorwirft, steigt Wut in ihr auf.
Foto: M. Golejewski/AdoraPress
V or ein paar Wochen musste ich mich montagmorgens krankmelden. Ausgerechnet Montag. Kurz hatte ich Sorge, meine Kolleg:innen würden denken, ich mache blau, mich hätte der „Montagsblues“ erwischt, wie es meiner Generation aktuell gerne unterstellt wird. Also lieber doch hingehen, trotz Ohrenentzündung? Blödsinn! Mit größter Wahrscheinlichkeit hatte niemand auch nur eine Sekunde lang das gedacht, worüber ich mir den Kopf zerbrach. Ich wurde wütend, dass mir dieser Gedanke überhaupt gekommen war.
Umso mehr freut mich eine neue Studie, die belegt, dass der ganze Bullshit mit der angeblich so „faulen“ Gen Z nicht stimmt. Im Gegenteil. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiten wir jungen Menschen heute sogar mehr als früher – weil wir es müssen. Gestiegene Mieten, höhere Lebensmittelpreise, schlecht bezahlte Praktika: So ein Start ins Erwachsenenleben ist nicht billiger geworden, sondern teurer. Meine frühere Mitbewohnerin hatte gleich mehrere Nebenjobs. Ein Freund, der weder BAföG noch Unterstützung von seinen Eltern bekam, hat sich sein komplettes Studium irgendwie selbst finanzieren müssen. Auch ich hatte einen Studijob.
Eigentlich habe ich keinen Bock auf Generationenbashing, aber mich regt auf, dass Arbeit für einen Teil von euch Boomern immer nur als Lohnarbeit verstanden wird. Immer höher, schneller, weiter – das scheint das Einzige zu sein, was ihr rufen könnt, dabei seht ihr doch selbst, dass es so nicht weitergeht. Und so müssen wir Jungen auch darüber hinaus jede Menge Arbeit erledigen, die von euch oft nicht als solche gesehen wird. Wir engagieren uns für die Rechte von Geflüchteten, setzen uns für Gleichberechtigung ein oder unterstützen wie jetzt, vor der Bundestagswahl, den Haustürwahlkampf der Linken.
Der besagte Montag, an dem ich krank wurde, war nach dem Wochenende in Riesa. Stundenlang stand ich gemeinsam mit anderen Menschen in der Kälte, um gegen die Politik der AfD zu protestieren. Dort zu stehen, gab mir das Gefühl, etwas tun zu können, aber es machte mich auch wütend. Es weckte Erinnerungen an die Male, die ich mich früher mit meinen Freund:innen auf den Weg gemacht hatte. Um gegen den Autobahnausbau der A49 im Dannenröder Forst zu demonstrieren, gegen Braunkohle, den Abriss von Lützerath oder, oder, oder …
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
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Das war kein Sonnenbaden am Baggerloch. Das war Arbeit! In unserer Freizeit! Glaubt ihr, dass es Spaß macht, im Morgengrauen loszuziehen und Angst vor willkürlicher Polizeigewalt zu haben? Ich hätte mir Erholsameres vorstellen können. Aber leider sitzen wir Jungen nicht an den gemütlichen Hebeln der Macht. Und so müssen wir auf der Straße die Jobs machen, die viele von euch versäumt habt. Einige der heutigen Probleme wären nicht so groß, wenn ihr sie rechtzeitig in Angriff genommen hättet. Wärt ihr früher und entschlossener gegen Rechtsextremismus, soziale Ungleichheit und die Klimakrise vorgegangen, müssten wir heute nicht so viel ackern.
Klar, auch viele Menschen aus eurer Generation haben sich für eine bessere Zukunft engagiert – und auch in meiner gibt es viele, die es nicht tun. Deshalb verstehe ich auch nicht, woher euer Frust auf uns kommt. Seid ihr neidisch, weil ihr glaubt, dass wir es besser haben als ihr? Habt ihr Angst, dass wir euch in dem Schlamassel, den ihr produziert habt, alleine lassen – weshalb ihr uns ein schlechtes Gewissen einreden wollt? Sorry, das alles zieht nicht mehr. Wenn der Planet nicht auch unsere Lebensgrundlage wäre, würden wir jetzt sagen: Ciao, wir machen es anderswo besser.
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