Gemischtes Fitnessstudio: Sie sind keine Muskelprotze
Der Wechsel ins gemischte Fitnessstudio ist ein Gewinn und alle Vorurteile erweisen sich als haltlos. Beim Zuschauen kann man sogar etwas lernen.
N euerdings trainiere ich mit Männern. „Ladies only“ hat ausgedient, seit der Laden morgens noch geschlossen ist, obwohl er längst geöffnet sein soll. Die im Treppenhaus wartenden Frauen zeigen Verständnis. „Das kann passieren.“, „Es wird bald jemand kommen.“, „Wir haben doch Zeit.“ Ich kann dem nicht zustimmen. Eine schlägt mir vor: „Geh doch die Straße hoch ins gemischte Studio.“ Den Home Club verlassen? Nun, in dieser Situation ausgebremst in Brast, muss ich mich bewegen.
Siehe da: Es ist ein Gewinn. Mehr Platz, mehr Geräte, modernere noch dazu, einige in doppelter Ausführung und drei Langhantelstände anstatt einer wie bei den Frauen. Dort ist diese Station andauernd besetzt und das rumänische Kreuzheben, meine Lieblingsübung, musste ich an manchen Tagen deshalb schon auslassen. Einige Männer grüßen. Sie sind weder Muskelprotze noch fragen sie, „Was willst du denn hier?“, und ich plaudere nicht drauflos à la: „Also, vor zwei Jahren, als ich mit dem Training anfing, hätte ich mich hier nicht hergewagt.“ Ich kenne die Handhabung der Geräte und zeige mehr Rücken.
Dass ich Schlimmes befürchtete, nämlich Macho-Gehabe wie lautes Ausatmen zum Unterstreichen der Anstrengungen, behalte ich auch für mich. Denn die Typen sind, genau wie ich und ein paar andere Frauen, nur hier, um ihren Körper zu stärken. Sie betreiben Kraftsport, und es sieht so aus, als hätten sie Spaß. Das fällt ins Gewicht. Ich hatte Vorurteile und lerne. Oh, was macht er da? Während ich am Beinbeuger trainiere, schiebt nebenan jemand ein quadratisches, mit Gewichtscheiben beladenes Metallgestell vor sich her. Es erinnert mich ans Manövrieren vollbeladener Einkaufswagen im Baumarkt, bloß die Dinger haben Rollen. Und dort schlägt jemand ein anscheinend schweres Tau. Wofür ist das wohl gut? Spannend, hier bleibe ich.
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