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Geld verdienen und die Welt verbessern

Impact Investments sind nachhaltige Geldanlagen, die finanzielle Rendite und positive soziale oder ökologische Wirkungen messbar unter einen Hut bringen. An­le­ge­r:in­nen sollten darauf achten, dass Ziele und Wirkungsnachweise eines Projekts transparent sind, um Greenwashing-Produkten nicht auf den Leim zu gehen

Ein Bauer im indischen „Erdbeerdorf“ Gassu Batpora Foto: Foto:Waseem Andrabi/Hindustan Times/Sipa USA/picture alliance

Von Kristina Simons

Erdbeeren sind extrem empfindlich. Damit sie nach der Ernte nicht in kurzer Zeit verderben und schimmeln, müssen sie kühl und trocken gelagert werden. Im westindischen Maharashtra, einer wichtigen Anbauregion für Erdbeeren, unterstützt der indische Solarhersteller Ecozen Erdbeerbäuerinnen und -bauern mit solarbetriebenen und sensorgesteuerten Kühlhäusern und Bewässerungssystemen. Dank der Kühlhäuser, die direkt auf den landwirtschaftlichen Flächen stehen, haben sich die Ernteverluste um bis zu 30 Prozent verringert, halten die geernteten Erdbeeren fünf- bis achtmal länger und können sich die Kleinbäuerinnen und -bauern über bis zu 40 Prozent mehr Einkommen freuen. Die Solaranlage ist mit einem effizientem Energiespeicher verbunden. Wenn die Sonne nicht scheint, funktioniert die Kühlung dadurch noch bis zu 36 Stunden. Auch das solarbetriebene Bewässerungssystem hat schon so manche Ernte gerettet, die durch Dürren und extreme Sonneneinstrahlung gefährdet waren – beides nimmt infolge des Klimawandels zu. Ecozen ist seit 2021 Partner der niederländischen Investmentgenossenschaft Oikocredit. Die investiert das Geld von Anlegern gezielt in Mikrokreditfinanzinstitutionen, kleine und mittlere Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie nachhaltige Projekte. „Mit den Krediten, die wir Ecozen zur Verfügung gestellt haben, hat das Unternehmen seine solarbetriebenen Technologien weiterentwickelt und skaliert“, sagt Jessica Bodmann, Geschäftsführerin von Oikocredit. Seit der Gründung im Jahr 2010 hat der Solarhersteller schon über 1,2 Millionen Menschen erreicht und durch den Ersatz von Dieselgeneratoren über 2 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden.“

Genau darum geht es beim Impact Investing. Während sich nachhaltige Anlagestrategien, die sich an den ESG-Kriterien Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung orientieren, auf den Ausschluss schädlicher Investments fokussieren, geht es beim Impact Investing zusätzlich um die messbare positive Wirkung: Kapital wird in Unternehmen, Fonds oder Projekte investiert, die neben einer finanziellen Rendite auch messbare positive soziale oder ökologische Wirkungen erzielen. „Anlegerinnen und Anleger können also ganz gezielt in die Lösung globaler Probleme wie Kriege, Hunger, Armut, Vertreibung oder die Klimakrise investieren. Da geht es häufig um sehr lokale, konkrete Projekte“, erläutert Bodmann.

Die Wissenschaftler Silke Ötsch und Daniel Mertens, die für Attac das nachhaltige Finanzsystem unter die Lupe genommen haben, kritisieren allerdings, dass sich die zugrundeliegende Idee von Nachhaltigkeit und Wirkung stark an den Präferenzen und Weltbildern reicher Phil­an­thro­p:in­nen orientiere. „Es ist äußerst riskant, die Zukunft der Menschheit von den Entscheidungen weniger, sehr reicher An­le­ge­r:in­nen abhängig zu machen.

Dies trägt eher zur Verstärkung globaler Ungleichheiten bei, anstatt diese zu verringern“, so Ötsch und Mertens. „Dabei sei es wirkungsvoller und würde mehr Rückhalt geben, wenn öffentliche Finanzierung, Steuerung durch Ordnungspolitik oder harte Regulierung sowie eine stärkere demokratische Beteiligung eine größere Rolle spielen würden.“

Jessica Bodmann sieht hingegen nicht, dass der Staat die globalen Probleme allein bewältigen oder zumindest abmildern kann. „Das erfordert enorme Investitionen, und schon jetzt fehlen jährlich 4 Billionen US-Dollar, um die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen wie geplant bis 2030 zu erreichen.“ Impact Investing könne staatliches Handeln nicht ersetzen, aber ergänzen.

Entscheidend beim Impact Investing ist, dass die Ziele beziehungsweise die Erfolge messbar sein müssen. Dafür werden unterschiedliche nichtfinanzielle Leistungskennzahlen herangezogen und bewertet: zum Beispiel Liter eingespartes Wasser, Megawatt produzierter Ökostrom, Fläche aufgeforsteter Wälder oder Anzahl der Schüler in neugebauten Schulen. Eine gute Orientierung ermöglichen die Impact Reporting and Investment Standards (IRIS+). Dieser Katalog listet aktuell knapp 790 standardisierte Kennzahlen auf. Andere Instrumente zur Wirkungsmessung heißen Global Impact Investing Rating System (GIIRS) Pulse sowie Social Return on Investment (SROI).

Die tatsächliche Nachhaltigkeitswirkung von Impact Investments sei jedoch unklar, intransparent und werde nicht unabhängig überprüft, kritisieren Ötsch und Mertens. Und tatsächlich können die Produktanbieter selbst bestimmen, wie sie die Wirkung messen. Manche entwickeln auch eigene Kennzahlen und Messinstrumente. Oikocredit erhebt zum Beispiel bei den Partnerorganisationen regelmäßig quantitative Daten zur Einhaltung beziehungsweise Verbesserung von ESG-Bewertungen. „Wir können daran auch über die Zeit gut nachverfolgen, ob sich das Unternehmen verantwortungsvoll gegenüber Mitarbeitenden, Kun­d:in­nen wie Kleinbäuerinnen und der Umwelt verhält. Das kombinieren wir dann mit qualitativen Daten aus einer jährlichen Befragung von zuletzt um die 40.000 Endkundinnen weltweit.“

Doch eine gründliche, transparente und systematische Wirkungsmessung kostet Zeit und Geld. Bei Oikocredit kümmert sich eine ganze Abteilung darum. „Diesen Mehraufwand für die Wirkungsmessung, das Erstellen entsprechender Berichte und das regelmäßige Monitoring muss natürlich irgendjemand bezahlen. Bei manchen Anbietern sind das die Investitionsempfänger, die dann höhere Darlehenszinsen zahlen müssen. Bei uns sind es die Anleger:innen, die eine etwas geringere Dividende in Kauf nehmen“, sagt Bodmann.

Die größte Herausforderung ist Green- beziehungsweise Impactwashing: Investments werden als wirkungsvoll vermarktet, sind es aber gar nicht. „Die Vielzahl unterschiedlicher und oft intransparenter Standards, Labels und Ratings erleichtert Greenwashing, anstatt es zu verhindern“, bemängeln Ötsch und Mertens.

In lokale, ganz konkrete Projekte investieren, die etwas gegen die globale Klimakrise bewirken

Selbst EU-Regularien, etwa die EU-Taxonomie zur Klassifizierung von ökologisch nachhaltigen Finanzprodukten, würden hier noch Spielraum lassen. Sie seien durch Lobbyaktivitäten verwässert worden.

Potenzielle An­le­ge­r:in­nen sollten deshalb immer darauf achten, wie transparent Ziele und Wirkungsnachweise eines Projekts sind. Ein guter Hinweis ist, ob das investierende Unternehmen eine sogenannte Theory of Change hat. Sie beschreibt die Annahmen, Ziele, Wirkungen und Aktivitäten, die es braucht, damit eine Investition zu einer gewünschten sozialen oder ökologischen Wirkung führt. Es handelt sich also eine Art Wirkungsfahrplan. Hilfreiche Informationsportale sind auch der BVII sowie das Global Impact Investing Network (GIIN).

Der Markt für Impact Investments wächst übrigens kontinuierlich. Laut der aktuellen Marktstudie des Bundesverbands Impact Investing (BVII) lag das Marktvolumen in Deutschland 2022 bei 12,35 Milliarden Euro – im Vergleich zu 69 Millionen Euro im Jahr 2015 und 24 Millionen Euro im Jahr 2012.

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